Flussfahrt in Kambodscha

Als wären es Gebetsfahnen im Wind.
Rote, weiße und blaue Ballone
hängen im Bambusgehölz, das ächzt und knirscht, wenn eine Böe hineinfährt.

Verbrannter Plastikmüll beißt in den Augen,
auf dem Sangkae-Flus schaukeln die Hälse und Köpfe der Pet-Flaschen
markieren die Netze
treiben langsam flussabwärts.
Mancherorts ragen blaue und braune Käfige aus dem Wasser,
darüber stapeln sich leere Bambuskörbe,
abends oder anderntags gefüllt und auf den Markt gekarrt.

Ein Fischer und seine Frau waten am Ufer
das Wasser geht ihnen bis zur Hüfte.
Er zieht eine Bambusstange durch die Wellen
sie wirft den Plastikmüll zurück an Land
der nächste Windstoß wird ihn wieder zurücktragen.

Das Stöhnen des Bambusʼ wird unterbrochen von Popmusik
getaktet vom Tuckern der Generatoren
in blauen Rohren fließt Wasser auf die Felder.

Großherrliche Villen, wo wem errichtet?
Man vermutet Drogenbarone, korrupte Beamte hinter getönten Scheiben.
Weiter flussabwärts niedrige Wellblechhütten auf Pfählen
auf einer Veranda eine Hängematte aus orangefarbenem Nylon
daneben verrottet ein Boot, sein Bug liegt tief im Wasser.

Metallene Finger ragen in den monsunschweren Himmel
Mobilfunkantennen greifen nach unsichtbaren Wellen
gut verdrahtet ist das Land.

Info:
Die Fahrt auf dem Sangkae-Fluss nördlich von Battambang kann man mit einem Kajak unternehmen. Am besten, man fragt dafür im Hotel Royal nach dem Verleiher Green Orange und arrangiert von dort aus sowohl den Tuk-Tuk-Fahrer sowie das Ausleihen des Kajaks vor Ort. Stand August 2018.

Weitere „Wasser“-Artikel:

Tibetische Flüchtlingskinder

© Yangchen Waldburger Zahn

Anfang der 1960er-Jahre wurden 160 tibetische Flüchtlingskinder – aufgrund der Initiative des Schweizer Industriellen Charles Aeschimann – in die Schweiz geholt. Zunächst hieß es, es seien Waisenkinder, die bei Pflegefamilien ein neues Zuhause finden sollten. Und später, so die Idee des Dalai Lama, sollten diese Tibeter zurückkehren und ihrem Volk möglicherweise gar in Tibet beim Aufbau helfen. Doch die meisten der „Tibeterli“, wie sie damals in den Medien verniedlichend genannt wurden, waren keine Waisen. Und statt zurückzukehren, blieben viele in einem kulturellen Zwiespalt gefangen.
Die Journalistinnen Sabine Bitter und Nathalie Nad-Abonji haben die Hintergründe dieser Aktion recherchiert.

Es gibt meines Wissens bereits zwei Doku-Filme über tibetische Kinder, die von Schweizer Familien adoptiert wurden. Warum jetzt noch ein Buch?

Uns hat – über die in den Filmen dokumentierten Einzelschicksale hinaus – interessiert, wie es dazu kam, dass eine initiative Privatperson praktisch losgelöst von einer behördlichen Aufsicht 160 außereuropäische Kinder und Jugendliche in die Schweiz holen und diese nach eigenem Gutdünken bei Pflegefamilien unterbringen konnte. Wir wollten mehr wissen über die politische und juristische Dimension dieser Geschichte. Deswegen haben wir nicht nur Gespräche mit ehemaligen Pflegekindern und deren Angehörigen geführt, sondern haben in Archiven recherchiert und viele unbekannte Fakten zu Tage gefördert. Die Rahmenbedingungen dieser Aktion zu erhellen, ist wichtig, weil die jungen Tibeterinnen und Tibeter damals zur ersten Gruppe von außereuropäischen Kindern überhaupt gehörten, die in unser Land geholt wurden. Sie stehen am Anfang der Schweizer Auslandsadoptionen, die ein hochproblematisches Kapitel der Fremdplatzierung ausmachen, das bisher nicht aufgearbeitet worden ist. Und nicht zuletzt hat uns auch die Position des Dalai Lama in der Aeschimann-Aktion interessiert.

Vom damaligen Standpunkt aus gesehen, war die Aktion des Schweizer Charles Aeschimann begrüßenswert. Können Sie kurz skizzieren, wie es zu dieser Hilfsaktion kam, zumal zeitgleich in der Schweiz noch immer Verdingkinder in schwierigen Verhältnissen lebten und auch die Kinder der italienischen Gastarbeiter keinen legalen Status hatten.

Der Oltner Industrielle lancierte 1959 die Idee, tibetische Flüchtlingskinder aufzunehmen. Dies nachdem der Dalai Lama nach seiner Flucht aus Tibet nach Indien die westliche Welt darum gebeten hatte. Dank guter Beziehungen gelang es Aeschimann, einen direkten Kontakt zur Familie des Dalai Lama herzustellen. Als Erstes schlug er ein Tibeter-Haus im Kinderdorf Pestalozzi in Trogen vor, wofür er selbst Mittel aufbrachte und ein finanzielles Risiko in Kauf nahm. Das Haus konnte bald gebaut und das Projekt schnell realisiert werden. Der Dalai Lama zeigte sich dankbar und erfüllte zugleich Aeschimanns Wunsch, selbst ein tibetisches Kind zu bekommen. Die Ankunft des Jungen und auch der kleinen Tibeterinnen und Tibeter, die ins Pestalozzi-Dorf zogen, löste ein enormes Medienecho aus. Viele Ehepaare und Familien meldeten sich danach bei Aeschimann, weil sie auch ein „Tibeterli“ aufnehmen wollten. So kam es, dass Aeschimann mit der Vermittlung von Pflegekindern begann. Die Aufnahme tibetischer Flüchtlingskinder war ein humanitäres, im Kalten Krieg aber auch ein politisches Statement, hatten sie doch vor den chinesischen Kommunisten flüchten müssen. So hatte man bereits 1956 auch die Ungarnflüchtlinge mit offenen Armen empfangen. Mit der Aufnahme eines italienischen Saisonnierkinds, das in der Schweiz illegal im Versteckten leben musste, oder einem Kind, das auf einem Bauernhof verdingt war, hätte sich kein medial wirksames, antikommunistisches Statement verbinden lassen.

Es war von einer Aktion für tibetische Waisenkinder die Rede, doch die meisten Kinder hatten zumindest noch einen Elternteil, manche Eltern wurden gar nicht gefragt, zumal die Entscheidungen von Mönchen und dem Dalai Lama ohnehin nicht zu hinterfragen waren. Wie wurden die Kinder ausgewählt, die in die Schweiz reisen durften und später als gut ausgebildete Tibeter zurückkehren und ihrem Volk helfen sollten, wenn es denn eines Tages zurück nach Tibet gehen würde?

Die Kriterien, nach denen die Leitung des Heims – also maßgeblich die ältere Schwester des Dalai Lama, Tsering Dolma – die Kinder für die Pflegefamilien auswählte, sind nicht klar zu benennen und nirgends dokumentiert. Es spielte offensichtlich in einigen Fällen eine Rolle, ob die Kinder zur Tanzgruppe des Heims gehörten, musikalisch waren und sich gut bewegen konnten. Der Mönch, der damals mithalf, die Kinder auszusuchen, sagte uns in einem Gespräch 2015, er habe den Kindern auch einfach ins Gesicht geschaut und so versucht herauszufinden, ob sie eine schnelle Auffassungsgabe besaßen, lernwillig und wissbegierig waren. Anderen Kindern wurden Fotos und Postkarten aus der Schweiz gezeigt. Dann wurden sie gefragt, ob sie dahin möchten. Oder die Mädchen und Jungen wurden nach ihrem Berufswunsch gefragt, und wenn dieser zufällig zum Beruf eines Pflegevaters passte, hatte das Kind eine größere Chance, genau in dieser Familie platziert zu werden. So kam beispielsweise ein Kind, das angab, Arzt werden zu wollen, in eine Medizinerfamilie. An dieser Stelle manifestierten sich aus unserer Sicht auch die unterschiedlichen Interessen von Charles Aeschimann und dem Dalai Lama: Aeschimann wollte möglichst kleine bzw. junge Kinder in die Schweiz holen, die sich hier schnell zurecht fanden. Während der Dalai Lama ein Interesse daran hatte, wesentlich ältere Kinder in die Schweiz zu schicken, die bereits so stark von der tibetischen Kultur geprägt worden waren, dass sie später zurückkehren würden.

Wie beurteilen Sie selbst die eher paternalistische Haltung des Industriellen Charles Aeschimann, der damals sowohl die Zusammenarbeit mit kompetenten Hilfsorganisationen wie dem Schweizer Roten Kreuz verweigerte als sich auch die Einmischung von Behörden verbat?

Charles Aeschimann war durch und durch ein Macher, der es gewohnt war, dass andere sich nach seinen Ansagen richten. Hinzu kamen seine exzellenten Verbindungen in Politik und Wirtschaft, die er geschickt zu nutzen wusste. Wohl auch mit dem Anspruch, sich humanitär zu engagieren. Wie sich beispielsweise an seiner Initiative für die beiden Tibeter-Häuser im Pestalozzidorf ablesen lässt. Allerdings verfügte er weder über pädagogische noch über entwicklungspsychologische Kenntnisse. Hinzu kam, dass seine Aktion, wie bereits erwähnt, weitgehend losgelöst von behördlicher Kontrolle war. Und das war von ihm durchaus so gewollt.

Welche Motivationen steckten hinter den Adoptionen, nicht alle Tibeter waren „glücklich“, auch weisen Sie auf die relativ hohe Suizidrate unter diesen Kindern und später Jugendlichen hin.

Nur ein Teil der „Aeschimann-Kinder“ wurde adoptiert. Und wenn, oft erst Jahre später. Hinter der Pflegekinder-Aktion standen widersprüchliche Interessen. Und gerade dies hatte für viele Tibeterinnen und Tibeter eine große psychische Belastung zur Folge. Die Pflegeeltern, die ein tibetisches Kind aufnahmen, wollten eine Familie gründen oder die bestehende erweitern. Der Dalai Lama aber vermittelte die Kinder nur auf Zeit: Sie sollten der tibetischen Kultur und dem Buddhismus stark verbunden bleiben und dereinst nach einer möglichst guten Ausbildung als hochqualifizierte Elite in ein befreites Tibet, so die Hoffnung, zurückkehren. Es zeigte sich aber bald, dass dieses politische Bildungsprogramm nicht aufging: Die Mädchen und Knaben kamen als traumatisierte Flüchtlinge und Heimkinder in die Schweiz, waren oft schon im Schulalter, konnten aber noch nicht lesen und schreiben. Sie standen von Anfang an unter einem hohen Anpassungsdruck, sich möglichst schnell zu integrieren, in der Schule und Ausbildung erfolgreich zu sein, um dereinst die Ansprüche des Dalai Lama zu erfüllen und zurückzukehren. Spätestens in der Pubertät kam es bei vielen zu außerordentlich schweren Krisen. Viele Pflegeeltern waren denn auch überfordert. Sie erwarteten, dass die jungen Leute die Bildungschance dankbar ergreifen und „etwas aus sich machen“. Die Jugendlichen standen in einer Zeit, in der sich in der Schweiz nach 1968 autoritäre Strukturen aufzulösen begannen, unter einem Bildungsdiktat und waren zudem von religiös geprägten, ungewohnt autoritären Anweisungen ihrer leiblichen Eltern, die sich aus der Ferne meldeten, konfrontiert. Mit der Herkunftsfamilie konnten sie sich aber nicht angemessen verständigen, denn die jungen Leute konnten kein Tibetisch mehr. Viele fühlten sich so hin- und hergerissen zwischen zwei Kulturen, entwurzelt und psychisch unter Druck. Manche konsumierten Drogen, andere wurden krank. Dass es in dieser Community spezifische Probleme und einen Zusammenhang zu einer hohen Suizidrate gibt, wurde bereits in einer früheren Studie (Brauen/Kantowski) in den 1980er-Jahren belegt und muss aufgrund unserer Recherchen bestätigt werden.

Wie sehen die betroffenen Tibeter-Kinder die Aktion heute?

Ihre Sicht auf die Aktion ist sehr unterschiedlich, da sie alle mit unterschiedlichen Voraussetzungen (Herkunft, Alter, Bildungsstand etc.) in die Schweiz kamen, wo sie auf sehr unterschiedliche Verhältnisse in den Pflegefamilien trafen. Davon ist auch ihre heutige Sicht auf die Aktion geprägt. Wir kennen Fälle, in denen Kinder schwer krank in die Schweiz kamen und hier behandelt oder gar geheilt werden konnten. Da ist auch heute noch eine große Dankbarkeit gegenüber dieser als Chance bewerteten Aktion zu spüren, im Bewusstsein, dass sie unter Umständen im indischen Exil nicht überlebt hätten. Darüber hinaus gibt es eine Reihe ehemaliger Pflegekinder, die sich in der Schweiz beruflich verwirklichen konnten, wie es in Indien kaum möglich gewesen wäre. Aber wir haben auch mit zahlreichen «Aeschimann-Kindern» gesprochen, die sich bis heute entwurzelt und nirgends heimisch fühlen. Oft berichteten sie auch davon, sich sogar in der tibetischen Exilgemeinschaft fremd zu fühlen, weil sie, im Gegensatz zu anderen Exil-Tibetern, die Sprache nicht sprechen und die Bräuche nicht kennen. Teilweise beeinträchtigt dieses Gefühl der Entwurzelung bis heute die Lebensqualität der Betroffenen sehr.

Sabine Bitter, Nathalie Nad-Abonji: Tibetische Kinder für Schweizer Familien. Die Aktion Aeschimann. Rotpunkverlag, 240 Seiten, 38 Franken.

Zähes Ringen ums Überleben

„Welcher Tag ist heute? Der 2., glaube ich … Der 2. Juli.“
„Heute ist der 10. Juli. Donnerstag der 10. Juli. Nicht mit den Tagen durcheinanderkommen. Die Zeit ist meine einzige Gewissheit. Ich weiß nicht, wo ich bin. Ich weiß nicht, warum ich hier bin. Ich habe keine Ahnung, was da draußen vor sich geht. Und es bringt nichts, darüber zu spekulieren. 10. Juli, Donnerstag, der 10. Juli. Der Tag und das Datum sind meine einzige Orientierung.“
„Heute ist Freitag, der 22. August.“
„Heute ist der 13. September.“

Und einmal sagt Christophe André, der 1997 als Mitarbeiter der NGO Ärzte ohne Grenzen im Nordkaukasus gekidnappt wurde: „Geisel sein ist schlimmer als Gefängnis.“

Und so bleibt ihm nur das Warten und die Hoffnung, dass die Welt da draußen ihn nicht vergessen hat, den Verstand nicht zu verlieren, mit dem Zählen nicht durcheinander zu geraten.

Guy Delisle hat diese 111 zähen Tage des Wartens in einem 428 Seiten langen Buch festgehalten. Nur selten wird es unterbrochen von unerklärlichen Ortswechseln, erneutem Warten, rätselhaften Geräuschen. Deslise malt beharrlich ein Panel nach dem anderen, aufs Äußerste reduziert, meist 3 Bilder à zwei Panels auf einer Seite, nur gelegentlich unterbrochen von einem breiten Bild, das die Eintönigkeit formal unterbricht, oder einem Bild, auf dem die Geisel von oben zu sehen ist, wie sie auf einer Matratze liegt, am linken Handgelenk angekettet an einen Heizkörper.

Wer von solcherart Lektüre ermüdet, mag sich gelegentlich fragen, was denn die eigene Lesequal bittesehr ist angesichts dieser quälenden und ungewissen Warterei, an dessen Ende auch der Tod hätte stehen können?

Guy Delisle: Geisel, Reprodukt Verlag, 29 Euro;
Leseprobe zum Reinschauen hier:

Weitere Beiträge zum Thema Comic:

Absurd = Alltag in Burma. Ein Comic von Guy Delisle.
Frustrierende Realität. Shenzhen. Ein Comic von Guy Delisle.
Der Comic und die Fakten, u.a. mit Guy Delisle.
Eine ganz normale chinesische Familie? Comic von Li Kunwu.
Wie übersetzt man Comics?
Bilderwelten: Vortrag und Workshop mit Theres Ruetschi und Alice Grünfelder
Der Fumetto-Wettbewerb Comicwelten.
Die Korrekturleserin: Illustration Theres Ruetschi, Text Alice C.

Endlich ist das Glück

Im Mitteldeutschen Verlag ist wieder ein vietnamesischer Band in wunderbarer Ausstattung und mit eigenwilligen Erzählungen erschienen.

Auf den ersten Blick irritieren die Dorf-Geschichten der vietnamesischen Autorin Nguyen Ngoc Tu, denn warum irrt ein vietnamesischer Bauer auf der Suche nach seiner Tochter zwölf Jahre durchs Land, meint er tatsächlich, er findet sie, indem er sich einer Schauspieltruppe anschließt? Und warum grämt sich ein älterer Inselbewohner, weil ein junger Arzt – ohne Abschied zu nehmen -, das Dorf wieder verlässt, weil es ihm nichts zu bieten hat?

Auch von enttäuschten Lieben hat man schon gelesen … Aber dann werden die Geschichten immer kantiger, die Existenzen, vor allem diejenigen der Frauen, immer fragiler. Warum nur?

„Die Männer auf dem Land … betranken sich ständig, sie bedienten sich gern ihrer Fäuste und Füße, um ihre Machtstellung zu wahren. Erschöpft von der Arbeit auf den Feldern, waren diese Männer ausgelaugt, ihre Herzen verknöchert; oft hatten sie ein ganzes Leben lang kein liebes oder auch nur freundliches Wort für ihre Frauen übrig. Sie waren nicht fähig, zärtlich zu sein, sie zu umwerben …“,

erklärt die Protagonisten in der titelgebenden Erzählung „Endlose Felder“ das Verhalten ihres Vaters und damit auch die Misere der Bauern und Entenzüchter, die im Mekong-Delta an Land oder zu Wasser ein ärmliches Dasein fristen. Schonungslos berichtet die Autorin von dieser Armut, die eine junge Frau dazu bringt, ihr Kind auszusetzen, Männer ihre Frauen zu schlagen, Frauen ihre Männer zu verlassen, Kinder ihre Eltern zu fürchten.

Und damit handelt sie sich die Kritik des Parteikomitees ein, denn in Vietnam ist Literatur noch immer einem sozialistischen Realismus verpflichtet. Zwar stelle die Autorin das Leben auf dem Land realistisch dar, doch statt die Ausweglosigkeit der Bevölkerung zu zeigen, hätte sie gut daran getan, den Geschichten eine positive Wende zu geben und auf die Möglichkeiten hinzuweisen, die die vietnamesische Gesellschaft durchaus biete. Daher seien die „Geschichten auch untypisch für die Zustände auf dem Land und in Vietnam“, so zitieren die Übersetzer Günter Giesenfeld und Marianne Ngo die Regierungskritik in einem ausführlichen und fundierten Nachwort.

Herkömmliche Dorfgeschichten also sind es mitnichten, diese Erzählungen, die Erfüllung in der Liebe verwehren, in denen sich jeder traurig seinem Schicksal ergibt und der Zerfall der Familie unausweichlich scheint. Von Traditionen ist nirgendwo die Rede, vielmehr von Entwurzelung, dafür stehen auch die nomadisierenden Entenzüchter, die sich auf wackligen Kähnen nur mit Müh und Not buchstäblich über Wasser halten.

Und damit bin ich bei weitaus beeindruckenderen Merkmalen dieser Texte: Obwohl sie lokal zu verorten sind – im Süden Vietnams – und sich auch zeitlich fixieren lassen – von der Vogelgrippe ist die Rede, der ganze Entenherden zum Opfer fallen, von schmutzigem Wasser in einem Kanal, von einem alten Bombenkrater, in dem Menschen baden –, so sind die Erzählungen zeitlos. Sie stehen für viele Gegenden in dieser Welt, in der auf Landflucht Verarmung und soziale Verrohung folgt. Letztlich ist es die Zeitlosigkeit dieser Szenografien, die bleibt und verstört.

Der Autorin wird dieses Jahr der LiBeraturpreis verliehen und auf der Frankfurter Buchmesse 2018 überreicht.

Nguyen Ngoc Tu: Endlose Felder. Erzählungen. Aus dem Vietnamesischen von Günter Giesenfeld und Marianne Ngo, 272 Seiten, Mitteldeutscher Verlag, 24.95 Euro.

Weitere Artikel über Vietnam …

Vietnam fürs Handgepäck

Vietnam – angekommen

Dongxuan – Vietnam in Berlin

Wüste auf der Alb

Ölschieferwerke werden die zehn Konzentrationslager auf der Schwäbischen Alb euphemistisch genannt. Knapp 2000 Menschen unterschiedlicher Nationalität haben dort für Hitlers Wüsten-Projekt ihr Leben gelassen. Denn ihm war in den letzten Kriegsjahren das Benzin ausgegangen, und sein Chefarchitekt Albert Speer kam auf die aberwitzige und tödliche Idee, in einem aufwendigen Verfahren Öl aus Schiefer zu gewinnen.
Überraschend war beim Gang über den Schömberger KZ-Friedhof aber auch, dass große Teile der einheimischen Bevölkerung halfen, aus dem KZ Geflohene wieder einzufangen. Was mag in diesen Menschen vorgegangen sein?
Dokumentarisches wird mit Literarischem kombiniert, um dieser Frage in „Die Wüste auf der Alb“ nachzugehen, den Text kann man ab sofort in der aktuellen Ausgabe von Wespennest Nr. 174 lesen.
Zu hören gibt es den Text in Solothurn bei der Kurzlesung am 13. Mai um 10.30 Uhr.

Urbanes Wandern

Sonnig ist es heute,
die Ersten scharren schon mit den Füßen,
der Berg lockt.
Dich zieht es in die Agglo, dorthin
– wo Jumbos wie schwere Käfer ihren Rumpf über Häuserblocks schieben
– wo ein Schwimmer in Neopren, des grünlichen Schimmers oder der Kälte wegen?, den Glattparksee längs durchschwimmt
– wo Streifen und Leitungen den Himmel zerschneiden
– wo keine Sehenswürdigkeiten zu sehen sind, warnt der Wanderführer.

Tramhalteselle Fernsehstudio.
Hier werden Nachrichten gemacht,
aber von hier dringen keine Nachrichten in die Stadt. Outer space.
Auf den Wiesen liegen, wenn es wärmer ist, Familien.
Der Kiosk hat noch geschlossen, zu früh im Jahr.

Bälle ploppen.
Ein Hiphopper in weiten Shorts hüpfelt
die schräge Betonwand hoch,
im Takt zur Melodie aus seinen schweren Kopfhörern.

Chatzenbach. Schnurgerade unter Strommasten
nichts dem Zufall überlassen zwischen Grünstreifen und Bauzahn,
wo ein Obdachloser seine Decke und leere Zigarettenschachteln deponierte.

Über ein rote Brücke geht eine Frau mit roter Plastiktüte,
der Duft nach Cannabis liegt in der Luft.
Spatzen gixen, Amseln quirlen,
den ganzen Winter nicht gehört und überhaupt
immer seltener. Sie sterben aus, heißt es,
gejagt von verwilderten Hauskatzen und hungrig,
weil das Luftgetier nicht genügt.
Ein junges Mädchen schlappert mit Sandalen hinter einem
dunkelhäutigen Mann her.
Ihr Vater?
Ihr Onkel?
Der überquert rasch die Tramschlaufe 14.

Eine Familie spielt Boccia mit Plastikkugeln,
sieht nicht den Vater und den Sohn, beide längst erwachsen,
wie sie hinauf schlendern zur Vogelvoliere
vorbei an der steinernen Bank „800 Jahre Seebach“.
Die Vögel in den Käfigen sind jünger.
Kinder mahnen, den Afpal nicht liegenzulassen,
auch nicht bei Regen.

Eine Kinderschaukel gireizt, ein Stieglitz geigelt,
das Handy jingelt neben der Frau auf dem Spielplatz,
die greift nach Chips und Fanta.

Der Himmel bebt, den ganzen Morgen schon,
vibriert, summt, dröhnt, pfeift,
– je nachdem, wie steil die Flugzeuge starten
– je nachdem, woher der Wind weht.
Fliegen hinein in ein Geschwulst am Himmel
ziehen weite Kurven tief über eine Kleintieranlage,
deren Tage sind gezählt, eine Umzonung ist geplant, denn
Zonenkonformität ist gefährdet.
Gefährdet ist auch die High-Tech-Genanlage,
deshalb hoch der Zaun
silbern spiegelt sich darin die Sonne.

Wasserbüffel warten in der Frühlingssonne – worauf?
Klingelt ein Fahrradfahrer mit Kleinkindanhänger
weicht die alte Dame noch längst nicht aus
schwankt nach links nach rechts
hat ihn nicht gehört, schaut konzentriert hinab,
wie sich ein Fuß vor den andern setzt auf den asphaltierten Weg vor ihr.

Strand-Feeling in Reckenholz
– Paddel an Holzwänden
– Club-Sessel hinter Bambus verborgen
– ein angenagtes Tier
– und ein Pferd trabt über die Autobahn.
Gäbe es das Autobahnausfahrtschild Büsisee nicht,
würde keiner in der schilfigen Senke einen See vermuten.

Am Chatzensee zeigt noch kaum jemand Haut,
Sprachen klingen, keine verstehst du,
neben Holzstößen warten Würste.

Einst wurde hier eine Leiche gefunden,
zuerst erwürgt, dann hier am Ufer deponiert.
Entdeckt von einem Spaziergänger.
Sonst hat niemand nichts gesehen.

Die Wehntaler Straße durchquert das Ried
kein Überqueren, kein Durchkommen
nur Untertunnelung.
Bis du auf einer Anhöhe stehst,
über dir blaue Röhren, die kieseln
und weiter hinten wird der Kies zu Split gemahlen.

Es pflügt ein Traktor einen Acker
und daneben wartet ein fahrbarer Jagdsitz – worauf?
Gejagt wird hier schon lange nicht mehr.

Glück

Nichts stelle ich mir schwerer vor, als über das Glück zu schreiben. Wird Glück nicht ohnehin hoffnunglos überschätzt? Und geraten nicht vor lauter inflationärem Glückgewünsche unzählige Glückszeilen auf Glückwunschkarten spätestens dann in Schieflage, wenn man sie genauer liest? Jedenfalls habe ich mich ein paar Monate lang daran versucht, über das Glück einen Dreizeiler zu schreiben. Der prompt aufgenommen wurde in die Anthologie „Vom Glück“.
Und gleich hat einer eine wunderbare Rezension über dieses Heft geschrieben.

Leer

Nichts bleibt leer

wenn Mieten in die Höhe schnellen

deshalb selbst an Wochenenden

schnell Räume vermietet,

damit nichts leer bleibt,

im Leerstand Tische aufgestellt

5-Gang-Menüs offeriert und

verruchte Weine mit offensivem Charme

vollmundig halb volle halb leere Teller angekündigt.

Zwischen Tischgezwitscher Brauenbögen unter blonden Langhaarfrisuren

die sich den ganzen Abend nicht verziehen

Arme fest verschränkt starre Blicke in die Teller

in denen der Tischnachbar herumstochert

frech ein rosa gepudertes Lachsstreifchen aufgabelt

sich rasch in den Mund schiebt

und auch der vierte Gang bleibt unangerührt

weshalb der Mann im Karohemd

die Gabel nach dem rot lackierten Steackhäppchen ausstreckt

in den Mund und die Zunge über die Lippen

er sei Anwalt und eine Frau könne keine Armee befehligen

die Frauen links und rechts fletschen ihr Grinsen

noch vor dem 5. Gang

und aus weiß bewehrtem Mund

wehrfähig sei die Schweiz ganz sicher gewesen

damals im 2. Weltkrieg

dann war auch der letzte Teller leer.

 

Die Wüstengängerin

Die Wüstengängerin

Alice Grünfelder - Die Wüstengängerin

Ein Roman von Alice Grünfelder

Im Nordwesten Chinas liegt die Provinz Xinjiang, sie reicht vom alpinen Altai-Gebirge bis zur Wüste Taklamakan, wird durchquert von der legendären Seidenstraße und heimgesucht von extrem kalten Wintern, heißen Sommern und Sandstürmen.
Heute bilden die etwa acht Millionen Uiguren 45% der Bevölkerung, gefolgt von Han-Chinesen, die in den letzten Jahrzehnten zugewandert sind, aber nicht alle im Wilden Westen das Glück gefunden haben, das ihnen die Regierung verhieß. Zudem leben Kasachen, Kirgisen, Tadschiken und Mongolen in Xinjiang, 47 Nationalitäten werden insgesamt gezählt. Schon seit Jahrhunderten ist diese Region geostrategisch bedeutsam und wird aufgerieben zwischen unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Machtansprüchen, die neuerdings mit den Plänen für eine neue Seidenstraße erneut an Bedeutung gewinnen.

Anfang der neunziger Jahre reist die Sinologiestudentin Roxana nach Xinjiang. Sie möchte noch unerforschte buddhistische Höhlenmalereien erkunden, die man kaum in dieser maßgeblich muslimisch geprägten Region vermutet, wo der chinesischen Regierung alles verdächtig ist, was sich der Moderne nach han-chinesischem Vorbild widersetzt. Auch der Islam ist der Regierung in Peking ein Dorn im Auge. Selbst wenn Roxana nur am Rande etwas von dem Unbehagen der Menschen und den Unruhen mitbekommt, so sind sie doch allgegenwärtig. Als ihre Suche nach den Höhlen indes nicht zum erhofften Erfolg führt, verlieren sich ihre Spuren im Sand.

Zwanzig Jahre später reist die Entwicklungshelferin Linda nach Xinjiang, um ein Projekt zur Aufforstung der Wüstenregionen zu lancieren. Die örtlichen Behörden verweigern allerdings die zugesicherte Zusammenarbeit, weshalb sie zu zermürbendem Warten verdammt ist. Zufällig gelangen Roxanas Unterlagen in ihre Hände, und sie begibt sich auf Spurensuche. Nur was wird an deren Ende stehen?

Die Wüstengängerin ist eine Road Novel über eine ihm Westen wenig wahrgenommene Region, die nur gelegentlich als Schlagzeilen über blutige Attentate auftaucht. Die beiden Frauen, Roxana und Linda, versuchen Licht in die unerklärlichen Ereignisse zu bringen, aber verstricken sie sich nicht vielmehr in ihre eigenen uneingestandenen Sehnsüchte und Projektionen?

Mehr über die Vorbereitungen zum Buch …

Leseprobe: Auszug aus dem ersten Kapitel.

Hörprobe: Sie möchten die „Wüstengängerin“ hören? Hier gehts zum Hörfile.

Stimmen:

„Die Sonne brennt erbarmungslos darnieder, und der Sand scheint aus den Seiten zu rieseln. Ihre Protagonistinnen bleiben gefangen in ihren Gedanken, die in der Hitze durcheinanderwabern und letztlich ins Nichts führen. Feindbilder und Gewissheiten lösen sich in der Wüste auf.“
Manuela Kessler, NZZ

„Die Schwere und Hoffnungslosigkeit im Nordwesten Chinas wird spürbar – nicht nur in der Handlung, den Geschichten der Einheimischen und den Gedanken der zwei Frauen, sondern auch in der Sprache selbst. Sie ist knapp, meist schmucklos und vermittelt, wie die verlebten Gestalten im Roman ihre kräftezehrenden, aussichtslosen Kämpfe austragen.“
Ann-Sophie Bosshard, Schweizer Buchjahr

„Alice Grünfelder schrieb mit dem Roman „Die Wüstengängerin“ eine Geschichte von Mut und Unterdrückung. Für zwei Frauen wird China zum Spiegel ihres eigenen Lebens. Der Roman vereint Zeitgeschichte, Liebesroman, Krimi zugleich.“
Rita Torasso, Brigitte

„Alice Grünfelders ungewöhnliches literarisches Debüt ist die wenig romantische, eher die schmerzliche Variante des Abenteuerromans. Und ein Roman, der sehr viel mehr differenzierte Wahrheiten über China beinhaltet, als die Flut der jüngsten Artikel über dieses Land, die zwischen der ignoranten Beschwörung einer „gelben Gefahr“ und halbherzigen ethischen Fragen an die Volksrepublik oszillieren.“
Karin Betz, Faust Kultur

«Eine Wüstengängerin erzählt von „der Wüstengängerin“, eine leidenschaftliche Frau von einer leidenschaftlichen Frau. Ein Roman, der eine politische Dimension beinhaltet, ohne zu belehren, der nicht nur dokumentieren will, ebenso unterhalten. Ein Roman, der fasziniert und mehrfach erstaunt.»
Gallus Frei, literaturblatt.ch

„Die Autorin läss den Konflikt in Xinjiang durch das Schicksal der beiden Frauen lebendig werden. Die erdrückende chinesische Militärpräsenz schleicht sich immer wieder in die Geschichte, ebenso der militante und wenig zimperliche Widerstand und die vielen widersprüchlichen Information, die es selbst Besuchern vor Ort kaum erlauben, sich ein umfassendes Bild von den Auseinandersetzungen zu machen.“
Klemens Ludwig, Brennpunk Tibet

„In der flirrenden Unbestimmtheit der Beschreibungen regt das ungnädige Schicksal der beiden Frauen unwillkürlich zum Nach- und Weiterdenken über den Sinn des Lebens an. Immer wieder ist die Begrenztheit des Daseins ein zentrales Thema. Ganz extrem, als Roxane in einer fast aussichtslos-verzweifelten Situation Zuflucht in einer abgelegenen Wüstensiedlung findet, in der zurückgelassene Frauen einen bitterarmen Überlebenskampf führen.“
Anna Gerstlacher, Virgina

„Die Autorin schafft es, die Protagonistinnen und die Schauplätze so lebendig werden zu lassen, dass ich die Hitze, die Trockenheit, die gleissende Sonne selbst spüre und beim Lesen wiederholt nach einem Glas Wasser greife. Ihre Figuren sind vielschichtig, deren Motive manchmal undurchsichtig. Sie bilden die komplexen Verhältnisse in der Region ab, ohne dass der Roman moralisierend wirkt. Genau so spannend sind die persönlichen Geschichten von Roxana und Linda, die von der Autorin langsam aufgerollt werden. Roxana sucht nicht nur nach Höhlenmalereien, sondern auch nach Boden unter den Füssen. Oder gerade nicht? Dass sie sich sozusagen auflöst, eins wird mit der Wüste, lässt die Grenze zwischen den Welten verschwinden.“
Petra Ivanov

„‚Die Wüstengängerin‘ ist ein wunderbar geschriebener Abenteuerroman, irgendwo zwischen klassischer Reiseliteratur, Frauenroman und Karl May. Es gelingt der Autorin, unzählige thematische Fäden elegant zu verknüpfen: die Geschichte der beiden Frauen, das Schicksal des Uiguren-Volkes und der Konflikt mit den Han-Chinesen, das Flair der Seidenstraße, die historischen Städte, der Tourismus, vergessene alte Höhlen, die Tücken der chinesischen Provinzadministration, ambitionierte Entwicklungshilfeprojekte, die in den Sand der Wüste gesetzt werden …“
Ina Baumbach, Autorin und Germanistin

«Es ist Alice Grünfelder gelungen, auf packende Weise die Schicksale Roxanas und Lindas zu erzählen und wie nebenbei über die Lage in Xinjiang zu informieren. Über die Atomraketentests, über die Baumwollplantagen, die das Wasser für die Landwirtschaft verknappten, über die verschiedenen Aufstände der Uiguren. Dabei beschreibt sie die Wüstenlandschaft, die Städte, die Menschen, den Bazar, den Tumult einer öffentlichen Hinrichtung auf sehr authentische Weise mit einer knappen und doch bildhaften Sprache. Allgegenwärtig werden beim Lesen die Hitze und der Staub.»
Mirjam Bächtold, St. Galler Tagblatt

Noch mehr Stimmen …

Verlag Edition 8.
ca Fr. 25.00, ca. Euro: 22.00
ISBN: 978-3-85990-338-8
Gebunden, Fadenheftung, Lesebändchen
Auch als Ebook

Sie können das Buch direkt beim Verlag edition 8 bestellen oder online bei der Autorenwelt.

Buchcover

Sri Lanka fürs Handgepäck

BuchcoverSri Lanka fürs Handgepäck.
Geschichten und Berichte – Ein Kulturkompass
Herausgegeben von Alice Grünfelder

Serendip, wie Sri Lanka von den arabischen Seefahren getauft wurde, war für Nicolas Bouvier – wie für viele andere Autoren – auch in anderer Hinsicht Serendip; ein Zufall, dass er ausgerechnet auf dieser Insel blieb. Doch erst im Jahr 1974 schreibt Bouvier in nur einer Nacht den Aufguss aller ceylonesischen Phantasmen nieder. Auch Hermann Hesse brauchte fast zwanzig Jahre, damit seine Reise nach Ceylon in Siddharta Früchte trug. Volkserzählungen vom treulosen Freund und einer treulosen Gattin zeigen den feinen Humor des Volkes, wenngleich Naturgewalten immer wieder die Insel heimsuchen, so in „Lansina Nonas Kampf mit dem Fluss“ und in Christoph Ransmayrs „Wallfahrer“. Er erzählt von einem Ehepaar, das als Dank für die Rettung vor dem Tsunami auf den Adams Peak pilgert, als Dank auch dafür, vom Bürgerkrieg verschont worden zu sein. Buddha hatte dort einen Fußabdruck hinterlassen, Shiva getanzt, der Apostel Thomas habe gedankt, dass ihm sein Gott diesen Blick in das Tal gewährte. Und schließlich ist es dieser Berg, der die unterschiedlichsten Menschen per Serendip auf dieser Insel zusammenführt.

Weitere Autoren in diesem Band: John Hagenbeck, Ranjith Henayaka, Jacob Haafner, Rolf Lachner, Michelle de Kretser, Michael Ondaatje.

Taschenbuch UT 662
Unionsverlag, 2014
www.unionsverlag.com