Alle Artikel der Kategorie ‘Rezensionen

Das Glück verkehrt herum

Wenn Gleichklänge irritieren

In der chinesischen Sprache klingen viele Silben gleich oder ähnlich. Dass dies zu irritierenden, aber auch amüsanten Verwechslungen führen kann, beschreibt Deike Lautenschläger in ihrem Buch Das Glück verkehrt herum. Ich habe nachgefragt: Homophone sind der Alptraum nicht nur von Sinologie-Studenten: Silben werden gleich ausgesprochen, haben aber eine vollkommen andere Bedeutung. Sie, Deike Lautenschläger, haben […]

Wu Ming-Yi

Die Sprache der Vögel lernen

climate fiction aus Taiwan Jedes kleine Stück Plastik, das in den letzten 50 Jahren hergestellt wurde und in den Ozean gelangte, ist immer noch irgendwo dort draußen. Was aber, wenn eine dieser Plastikmüllinseln im Pazifk auf eine reale Insel prallt, auf Taiwan zum Beispiel? Dieser Gedanke ist Ausgangspunkt des Romans Der Mann mit den Facettenaugen […]

Ai Qing Schnee fällt auf Chinas Erde

Kälte riegelt China ab

Ausgewählte Gedichte des chinesischen Lyrikers Ai Qing Ai Qings Gedichte zählen zum Kanon chinesischer Lyrik und erzählen von der existenziellen Bedrohung des Individuums, zerrieben zwischen Nationalisten und Kommunisten, dem Imperialismus der japanischen Invasoren und dem Kampf zwischen den Machthabern. Seine Gedichte sind in einer klaren, schnörkellosen Sprache gehalten, die Ummittelbarkeit von Landschaft und Menschen ist […]

Wahrsager und Technofrauen

Taiwanische Autorinnen erzählen. Eine Lektürenotiz. Der Titel klingt vielversprechend, das Tempo und die Themen sind eher moderat. Beeindruckend fand ich die Erzählung „Bukolika“ von Ko Yu-Fen (schon mit „An den Ufern des Tamsui“ im Erzählband Kriegsrecht vertreten), die von prekären Verhältnissen berichtet, von Fabrikarbeiterinnen und ratlosen Müttern, von schmierigen Übergriffen und sinnlosen Toden – und […]

Friede Bunker

Ungehorsam für den Frieden

Ende der 1970er Jahre spitzte sich der Kalte Krieg zwischen der Sowjetunion und den USA erneut zu. 1983 ließ die NATO Nuklearraketen in der Bundesrepublik Deutschland und in anderen westeuropäischen Ländern stationieren. Vor allem die schwäbische Gemeinde Mutlangen rückte damals als Standort von Pershing-II-Raketen in den Fokus der Friedensbewegung und der Öffentlichkeit. Weil ich darüber […]

Das Leben eines anderen

Das Leben eines anderen …

… einmal ausprobieren. Eine Lektürenotiz. Darum geht es, und geht es doch nicht. Mal ehrlich, wer hat sich nicht schon einmal vorgestellt, die Haut eines anderen überzustreifen? Erst recht, wenn man wie Rechtsanwalt Akiro Kido die Diskriminierung als Nachfahre koreanischer Einwanderer fürchtet, weil rechtsextreme Gruppierungen im heutigen Japan an Macht gewinnen? Einmal nur das Leben […]

Zeichen auf dem Boden …

… und an der Wand. Der Lyriker und ehemalige Buchhändler Gui Minhai schreibt sich in seinen Gedichten frei. „Auf dem Rückweg vom Einkaufen gerate ich in ein Feuergefecht / Ein Staat zieht ohne Kriegserklärung in die Schlacht gegen einen Menschen.“ Diese Gedichtzeilen hören sich dramatisch an, und selten liest man gerade in der Lyrik so […]

Duerrenmatt

Von Burma nach Bern

Eine Lektürenotiz zu Dürrenmatt and me von Wendy Law-Yone Was verbindet eine burmesische Autorin mit dem Schweizer Dürrenmatt? Es ist das Motiv der Rache, erfahren wir nun in Dürrenmatt and me. In diesem schmalen, zweisprachigen Bändchen beschreibt die Autorin Wendy Law-Yone, wie ihr der Besuch einer alten Dame bei der Räumung des Goethe-Instituts in Rangoon, […]

Verzicht

Vom süßsauren Verzicht

„Verzicht“, die letzte Ausgabe des österreichischen Kulturmagazins Wespennest, steht glücklicherweise nicht nur unter dem wohlfeilen Motto „small is beautiful“, sondern spielt das ambivalente Thema variantenreich durch. „Darf es etwas weniger sein?“, fragt Alexander Rabl und, zugegeben, Verzicht in Zeiten der Völlerei oder ungebremsten unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung hat durchaus eine biologische, gesellschaftspolitische, globale Berechtigung. Nur wenn Verzicht-Wellen […]

Fern von uns?

Adelheid Duvanel lesen Mirjam lebt im Erziehungsheim „Zuversicht“. Hubert Vollundganz ist der kleine Mann mit dem schwarzen Hut, der dort um die Ecke biegt. Eine stille Frau trägt immer einen Sack aus rotem Stoff über ihrer Schulter. Jakob nennt die Suppe, die er täglich kocht, „Eigenbrötlersuppe“. Und über allem fällt der Himmel in Fetzen herunter. […]