Alle Artikel mit dem Schlagwort ‘Rezension

Duerrenmatt

Von Burma nach Bern

Eine Lektürenotiz zu Dürrenmatt and me von Wendy Law-Yone Was verbindet eine burmesische Autorin mit dem Schweizer Dürrenmatt? Es ist das Motiv der Rache, erfahren wir nun in Dürrenmatt and me. In diesem schmalen, zweisprachigen Bändchen beschreibt die Autorin Wendy Law-Yone, wie ihr der Besuch einer alten Dame bei der Räumung des Goethe-Instituts in Rangoon, […]

Verzicht

Vom süßsauren Verzicht

„Verzicht“, die letzte Ausgabe des österreichischen Kulturmagazins Wespennest, steht glücklicherweise nicht nur unter dem wohlfeilen Motto „small is beautiful“, sondern spielt das ambivalente Thema variantenreich durch. „Darf es etwas weniger sein?“, fragt Alexander Rabl und zugegeben, Verzicht in Zeiten der Völlerei oder ungebremsten unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung hat durchaus eine biologische, gesellschaftspolitische, globale Berechtigung. Nur wenn Verzicht-Wellen […]

Fern von uns?

Adelheid Duvanel lesen Mirjam lebt im Erziehungsheim „Zuversicht“. Hubert Vollundganz ist der kleine Mann mit dem schwarzen Hut, der dort um die Ecke biegt. Eine stille Frau trägt immer einen Sack aus rotem Stoff über ihrer Schulter. Jakob nennt die Suppe, die er täglich kocht, „Eigenbrötlersuppe“. Und über allem fällt der Himmel in Fetzen herunter. […]

Eine Insel und ihre turbulente Geschichte

Lektürenotiz zu Stephan Thomes Familienroman Pflaumenregen Dieser Roman ist ein Beweis dafür, dass Literatur mehr kann als ein Sachbuch, als Dokumentationen, als wissenschaftliche Auseinandersetzungen. Denn Stephan Thome ist mit Pflaumenregen gelungen, die schwierige historische Epoche Taiwans – Kolonialisierung durch das japanische Kaiserreich, anschließende Übernahme der Insel durch die Kuomintang-Truppen – auf diverse Schultern einer Großfamilie […]

„Seinem Affen Zucker geben“

Interview mit Stefanie Jacobs über den Roman Bestiarium von K-Ming Chang Eine Familiengeschichte über drei Frauengenerationen hinweg ist dieser Debütroman der US-taiwanischen Autorin K-Ming Chang: Es geht um Tigergeist und Tigerschwanz, viele Löcher, die offenen Fragen gleich gestopft werden müssen, vergrabenes Gold und verbuddelte Briefe. Ein wortwuchtiger Roman, dessen Lektüre mich – zugegeben – ratlos […]

Buntblau und zerbrechlich

Kinderbücher aus Taiwan – gebe ich diesen Suchbegriff ein, taucht wenig auf, aber jüngst wieder mal eines: Das blaue Kleid von Chang Yu-jan, das im Sommer 2021 erschienen ist. Eine buntfröhliche Geschichte über Xiao Yu, die offenbar an einer Allergie leidet und deshalb nicht ebenso bunte Kleider tragen kann wie andere Kinder. Nur ein Elfe […]

Verschiebungen

Lektürenotiz zu Bae Suah Weiße Nacht In Kreisen sei dieser Roman angelegt, zirkulär funktioniere er, lese ich in Rezensionen, bin gespannt und merke, es sind nicht Kreise, sondern Halbkreise, die auseinandergeschnitten und leicht verschoben wieder aneinandergesetzt werden. Das gilt für Szenen aus dem Hörtheater in Koreas Hauptstadt Seoul, das bald geschlossen wird; für die Gespräche […]

Adelheid Duvanels Sprengsätze

Duvanels Lust an widerständigem Schreiben zeigt sich in den 251 Geschichen, die in der Anthologie „Fern von hier“ versammelt sind; ihre Lust auch an leiser Provokation, an Verdichtung des schier Unausdenkbarem auf kleinstmöglichem Raum, die Lust auch, alles, was zwischen Licht und Schatten in solch einer Existenz möglich ist, aufzuspüren. Und die Figuren erst! Sie […]

Mit scharfem Blick

Es war das Bellen der Hunde, das mich auf den taiwanischen Lyriker Cheng Chiung-ming aufmerksam machte. Entdeckt hatte ich ihn im Vorspann der Anthologie Kriegsrecht, die wie keine andere ein halbes Jahrhundert Literaturgeschichte Taiwans umfasst. Diese Hunde lassen sich nichts gefallen, und das will viel heißen in einem Land, das de facto 40 Jahre unter […]

Maiser = einer, der für andere auf den Feldern schwitzt

Lektürenotiz Fabiano Alborghetti Maiser Vom Leben einer Auswandererfamilie, einer italienischen, die genauso gut die Geschichte einer anderen hätte sein können, eine Geschichte, die klingt, weil Fabiano Alborghetti sie in ein Langpoem gegossen hat. Sie erzählt von Ankunft, Sehnsucht und diesem ewigen Gefühl des Ausgeschlossenseins, erzählt davon in einem Singsang, einem langsamen, und trifft damit diesen […]