Alle Artikel mit dem Schlagwort ‘Lyrik

Walle Sayer, der Wortkrumenfinder

Pathos und ein Loblied auf die Provinz ist Walle Sayer fremd. Er sucht nach Wortkrumen in seinem Dialekt wie ein Archivar und setzt sie behutsam ein, des Klanges wegen oder auch nur, wenn es kein anderes adäquates gibt. Das Hingetuschte wirkt bei ihm Sayer keineswegs leicht, jedes Wort ist wohl gesetzt. Und mit wenigen Worten […]

Von Mohn und Farn

Mohnblüte I Anfangs hielt ich es für die Erinnerung an ein Origami,was da unter dem Dachvorsprung über dem Wasser hing und mir zufällig in den Blick geriet.Doch bevor ich genauer hinsah, verwandelte es sichin den Ton einer Zither, wie eine Feder über dem Ort des Abschieds schwebend,die ein Vogel im Flug unabsichtlich fallen ließ.Tief ins […]

Nach. Corona.

Der Raumduft überlagert das Desinfektionsmittelauf der Treppe nach unten in die Jazz-Bar.Wie vor 30 Jahren, als ich in ebensolch obskurem Lichtan einer Theke stand. Ginza.(Der Mann mit sorgfältig gekämmtem grauem Haar,die Chefin brüsk und geschäftstüchtig.)Ein vierköpfiges Jazz-Ensemble auf der Bühne.Sieben im Publikum.Die Zeit danach hat begonnen.

Pflanzen überall

Wie konnte es geschehen, dass unter Hunderten von Einsendungen gerade mein Dreizeiler auffiel und aufgenommen wurde in “Steinbrech. Gedichte zu Pflanzen”? Freuen tut es mich jedenfalls für mein Zimmerpflanzen-Haiku. 153 AutorInnen aus sechs Ländern haben geschrieben über “Pflanzen, die uns ernähren, uns schmücken, schützen und heilen – und sie töten uns.” Am 27. Oktober 2017 […]

Erloschene Wut

Unruhige Momente im Leben, verdichtet in Haikus, die nachdenklich stimmen, Oberflächen aufbrechen und Gedankenräume erschließen: 164 Texte von 123 Poeten und Poetinnen wurden zu diesem Thema zusammengetragen in dem Buch Unruhige See(le). Sie vermitteln einen Einblick in das zeitgenössische Haiku-Schreiben deutschsprachiger Autoren. Das Projekt kam durch eine Ausschreibung von “SternenBlick” zustande und in Kooperation mit […]

Gehört und gesponnen

  Zeige- und Mittelfinger in eine Denkfalte legen, wenn Bedeutendes in Gedanken vorformuliert wird. Beim Denken zusehen. Zeilen später stöckelt eine Frau zwischen Rauchschwaden über Toteninseln, werden Sehnsuchtsblicke nach Costa Rica über die Donau geworfen, weil der Himmel derselbe ist, denn endlich ist nie.   Aufgeschnappt und weitergesponnen nach einer Lesung dreier Lyriker: Svenja Herrmann, […]

Gegen die Empörung …

 … durch kurze lärmige Texte. Lärmend ist dieses Endlos-Haiku von Franz Dodel wahrlich nicht, das sich auf 602 Seiten dahinschreibt und noch lange nicht zu Ende geschrieben ist, ein „Geflecht das freundlich bleibt“, sich ins Ungefähre träumt, nur um Zeilen, Seiten später sich im Gespinst des Alltags zu verfangen. Hart ist der Aufprall, doch man […]

Monatsgedicht: Verwehrtes Glück

Wie viele Ohren der Seele hören das Alter? Hören die Einsamkeit. Diese einzige, diese allerletzte Freiheit wurde zerschlagen. Als sie versunken lauschten auf jenem Gipfel des Glücks den tiefsten Tiefen riesiger Gewächse […] aus: Zheng Danyi: Wings of Summer, Gedichte 2003 (Sixfingerpress) Am 23. Januar hat mit dem Neumond das Jahr des Drachen begonnen. Ein […]