Ein Scham-O-Mat als Erinnerungsarchiv Die Idee und Installation ist bestrickend: In einer Kabine sitzen sich zwei gegenüber, corona-bedingt getrennt durch eine Scheibe, und lesen sich Scham-Geschichten vor. Aber keine fiktiven, sondern Texte, die im Laufe von Monaten in verschiedenen Kulturkreisen (Russland, Pakistan, Schweiz) gesammelt wurden. Weil mich diese Geschichten unentwegt beschäftigten, traf ich mich mit […]
Autor: Alice
Adelheid Duvanels Sprengsätze
Duvanels Lust an widerständigem Schreiben zeigt sich in den 251 Geschichen, die in der Anthologie „Fern von hier“ versammelt sind; ihre Lust auch an leiser Provokation, an Verdichtung des schier Unausdenkbarem auf kleinstmöglichem Raum, die Lust auch, alles, was zwischen Licht und Schatten in solch einer Existenz möglich ist, aufzuspüren. Und die Figuren erst! Sie […]
Mit scharfem Blick
Es war das Bellen der Hunde, das mich auf den taiwanischen Lyriker Cheng Chiung-ming aufmerksam machte. Entdeckt hatte ich ihn im Vorspann der Anthologie Kriegsrecht, die wie keine andere ein halbes Jahrhundert Literaturgeschichte Taiwans umfasst. Diese Hunde lassen sich nichts gefallen, und das will viel heißen in einem Land, das de facto 40 Jahre unter […]
Ein Tag entleert sich
Als ob es das geben könnte: ein Sonntag in einer Großstadt wie Paris, und gleichzeitig das Gefühl einer alles ertränkenden Leere, allerorten anzutreffen, in Gesichtern, Straßenecken, Museen. Das war schon immer so mit mir und Paris; warum, weiß ich nicht, einmal mehr hat sie mich überfallen an einem Sonntag, und uralte wesenseigene Empfindungen überschwemmten mich […]
Maiser = einer, der für andere auf den Feldern schwitzt
Lektürenotiz Fabiano Alborghetti Maiser Vom Leben einer Auswandererfamilie, einer italienischen, die genauso gut die Geschichte einer anderen hätte sein können, eine Geschichte, die klingt, weil Fabiano Alborghetti sie in ein Langpoem gegossen hat. Sie erzählt von Ankunft, Sehnsucht und diesem ewigen Gefühl des Ausgeschlossenseins, erzählt davon in einem Singsang, einem langsamen, und trifft damit diesen […]
Von Töchtern und ihren Vätern
Gleich vorweg: Ich mag keine Sachbücher, lese nur selten welche, weil sie mich beraten wollen, und die Ratschläge aufdringlich und seitenlang zum Besten gegeben werden. Und nein, ich spreche nicht von Ratgebern, sondern von Sachbüchern zu sogenannten lebensrelevanten Themen. Nur bei Susann Sitzler mach ich eine Ausnahme, weil ich weiß, dass sie mich nicht beraten, […]
Neue Literatur aus Taiwan
„Kriegsrecht“: Ein wenig martialisch mutet der Titel dieser Anthologie an, doch sie trägt ihn wohlüberlegt: Dem Herausgeber Thilo Diefenbach ging es darum, Texte zu versammeln, die sich im weitesten Sinn mit dem Kriegsrecht in Taiwan beschäftigen. „Neue Literatur aus Taiwan“ trägt die Textsammlung im Untertitel und umfasst dreißig Texte, die zum Teil das erste Mal […]
Walle Sayer, der Wortkrumenfinder
Pathos und ein Loblied auf die Provinz ist Walle Sayer fremd. Er sucht nach Wortkrumen in seinem Dialekt wie ein Archivar und setzt sie behutsam ein, des Klanges wegen oder auch nur, wenn es kein anderes adäquates gibt. Das Hingetuschte wirkt bei ihm Sayer keineswegs leicht, jedes Wort ist wohl gesetzt. Und mit wenigen Worten […]
Gewaltige Zärtlichkeit
Wenn Liebe und Gewalt zu dicht beieinander sind, wie in Aufzeichnungen eines Krokodils der taiwanischen Kult-Autorin Qiu Miaojin, werden Menschen im Karussell der Leidenschaften heftig herumgewirbelt. Lazi, die Protagonistin in diesem Roman und lebenshungrige Studentin, will ausbrechen aus allem, was sie einengt und anödet, alle Brücken hinter sich abbrechen, Brücken zu Familien, Freunden, Geliebten. Dann […]
Edition Weite Felder: Neuerscheinungen Frühjahr 2021
Zwei Collagen sind in den letzten Monaten entstanden: „Be water“ und „Wandschauer“. Über Nichtstun und Gehenlassen.










