Five questions to Science Fiction author Chen Qiufan

Tina Müller from sinokultur in an interview with Chen Qiufan aka Stanley Chan.

Why did you choose Science-Fiction as your literary genre?

I’ve been a science-fiction fan since childhood, since around 7–8-year-old or even earlier. My first encounter was Jules Verne, Asimov, Arthur C. Clarke, H.G. Wells, Heinlein, etc. Golden age and classic authors. I really couldn’t explain why, I simply think it was a coincidence that I read SF at the right time. The curiosity of the cosmos, mystical vision of the world, UFO, aliens, time travelling, imagine what a boy would love to learn and explore in that age. Also, reading science fiction offered me the maximum pleasure and satisfaction that other genres couldn’t. I read everything I can find on science fiction at that time, later I watched Star Wars and Star Trek on TV. All of those drew me to the path that I’ve been chosen.

What is your personal experience with AI (artificial intelligence)?

There is a very interesting while thrilling back story on this piece. A literary prize – by an AI judge algorithm was host in 2019 to cover most of the mainstream stories published in the previous year. At the very first stage of the award, the Nobel Prize winner Mo Yan’s short story was ranked first. So, everyone thought the algorithm really worked because a Nobel Prize winner won, what could be wrong? But on the last day, Fiction World, where I published the State of Trance, a story I collaborated with AI was submitted, and my score was 0.00001 point ahead of Mo Yan’s story and turned out on top of the chart. So, with the help of AI, I beat the Nobel Prize winner in literature.

What are some of the chances and risks we face with AI in your opinion?

AI will definitely play an important role in the future on everything. From the positive perspective, it might help us to develop new science and technologies, fighting against climate change, curing diseases, and bringing equality of educational resources to children from different classes and areas. But, if it is misused, it could also be the origin of political turmoil, the manipulation of social media, massive killings with autonomous weapons and all the other dark sides of humanity. The problem is how could we design a safe and hedging system to avoid those negative scenarios. I guess we need more diverse opinions from outside of tech and engineering perspectives.

Do you think Chinese people are more open to AI than Westerners? Here people are very critical.

When I was born in 1981, it was the beginning of reform and opening-up in China. I’d experienced the enthusiasm of people absorbing information and thoughts from the west in the 1980s and 1990s, as well as technology. The rise of productivity benefited everyone, so people intended to consider technology as a neutral tool without negative consequences. But now we are entering the new era of platform-capitalism. The government and the masses started to realize the potential risks in technology. But still, on law enforcement, regulations, philosophy, and mentality levels, it takes some time for the Chinese to build up a more holistic and reflexive thinking towards technologies such as AI.

Deutsche Ausgabe

How has your book AI 2041 been received in China? Has it been very successful?

The book is doing very good on the market even if it has just been launched 3 months ago in mainland China. Both me and Dr. Lee Kai-Fu were invited to so many events, talks, live shows, and high-level conferences. A lot of positive feedback from the media and the audience. It got into the finalists of “Best books of the year” selected by a very prestige magazine: 三联文化周刊.

Auf Deutsch ist Die Siliziuminsel erschienen. Aus dem Chinesischen von Marc Hermann. Heyne-Verlag, 2019

Menschen im Park

Menschen im Park

Ein kurzer Text, der ursprünglich für den Band „Wolken über Taiwan. Notizen aus einem bedrohten Land“ gedacht und geschrieben worden war, dann aber im letzten Moment nicht hineingelangte.

Morgens treffen sich die Alten im Park, die fit genug sind, mit den Armen zu schlenkern, die Hüfte zu drehen, sich ein wenig nach vorn, ein wenig nach hinten zu beugen, so weit es die Wirbelsäule eben zulässt … weiterlesen auf dem Blog von Manfred Lipp „Aus dem Alltag“.

Taiwan auf der Hotlist 2022 …

… der Unabhängigen Verlage und noch mehr Zahlen:

191 unabhängige Verlage aus dem deutschsprachigen Raum haben ihre Bücher in den Wettbewerb geschickt, um sich einen Platz auf der HOTLIST 2022 zu sichern. Zehn Mitglieder des Kuratoriums haben die eingereichten Titel geprüft. Wolken über Taiwan. Notizen aus einem bedrohten Land hat es in die Vorauswahl geschafft und schließlich zusammen mit zehn anderen Titeln auf die Hotlist.

Der Preis der Hotlist (dotiert mit 5000 Euro) geht 2022 an den Guggolz Verlag als Ehrung „für die Wiederentdeckung und anspruchsvolle Neuausgabe von Viktor Schklowskis Zoo. Briefe nicht über Liebe, oder die dritte Heloise. Mit der subversiven Stimme des sowjetischen Emigranten entfaltet Schklowski ein eigenwilliges, poetisches Panorama des russischen Berlin von vor einhundert Jahren“, so die Jury über den Roman in der Übersetzung von Olga Radetzkaja. (Hier die gesamte Begründung.)

Der AvivA Verlag erhält für die zweibändige Werkausgabe von Aphra Behn den Dörlemann ZuSatz und damit einen Satzkosten-Gutschein im Wert von 1500 Euro der Firma Dörlemann Satz. Die Jury: „Tobias Schwartz hat Texte von Aphra Behn (1640–1689) für AvivA übersetzt: Diese Autorin hat uns viel zu sagen. Die Palette der Themen ist groß, der stilistische Auftritt forsch, die Gestaltung begeistert.“ (Hier die gesamte Begründung.)

Zeichen auf dem Boden …

... und an der Wand. Der Lyriker und ehemalige Buchhändler Gui Minhai schreibt sich in seinen Gedichten frei.

„Auf dem Rückweg vom Einkaufen gerate ich in ein Feuergefecht / Ein Staat zieht ohne Kriegserklärung in die Schlacht gegen einen Menschen.“ Diese Gedichtzeilen hören sich dramatisch an, und selten liest man gerade in der Lyrik so unverblümt von Gefangennahme, Verhaftung, „silencing“ – Methoden, um unliebsame Stimmen zum Schweigen zu bringen. Gui Minhai war so eine Stimme, bis ihn der chinesische Geheimdienst aus seiner thailändischen Ferienwohnung entführte, einen Schauprozess veranstaltete, ihn freiließ, nur um ihn abermals zu verhaften.

Wie er gerade hinter Gittern eine Stimme findet, ist nun nachzulesen in dem eindrücklichen Lyrikband Ich zeichne mit dem Finger eine Tür an die Wand. Meine Rezension dazu hat Gallus Frei-Tomic auf literaturblatt.ch veröffentlicht.

Duerrenmatt

Von Burma nach Bern

Eine Lektürenotiz zu Dürrenmatt and me von Wendy Law-Yone

Was verbindet eine burmesische Autorin mit dem Schweizer Dürrenmatt? Es ist das Motiv der Rache, erfahren wir nun in Dürrenmatt and me. In diesem schmalen, zweisprachigen Bändchen beschreibt die Autorin Wendy Law-Yone, wie ihr der Besuch einer alten Dame bei der Räumung des Goethe-Instituts in Rangoon, Mitte der 60er Jahre, in die Hände fiel. Und sie in Claire die ungeheuerlichste Heldin antrifft, die ihr je begegnet ist. „Ich bewundere den Stil der alten Dame, ihr Maßlosigkeit, ihren schwarzen Humor, ihre ausgelebte Böswilligkeit.“ Doch führt die Vergeltung etwa zur Erlösung, fragt sie sich selbstkritisch im Roman Irrawaddy Tango? Und weiter findet sie in der Ausgestaltung dieses Motivs eine Ähnlichkeit mit dem burmesisch-buddhistischen Prinzip von ye sek, zu Deutsch „ein Tropfen Wasser“, etwas, was unausweichlich ist, deshalb gleichsam eine Verkettung von Ursache und Wirkung. Dürrenmatt, so führt die Autorin weiter aus, habe sie viel zu verdanken, auch den zweiten Roman Road to Wanting, in dem es abermals um unaufhaltsame Entwicklungen und eine Beinah-Rückkehr geht. Eine „uneindeutige Vergangenheit“, die allerdings neue Möglichkeiten für die Zukunft eröffne, schreibt die Anglistin Marijke Denger im Nachwort.

Wendy Law-Yone, die von der Militärdiktatur schon früh aus ihrem Land vertrieben wurde, fand also Zuflucht nicht nur im Schreiben, sondern auch im Schreiben von Friedrich Dürrenmatt, eine Passage in die schriftstellerische Freiheit, so düster diese auch grundiert ist.

Wendy Law-Yone: Dürrenmatt and me. Eine Passage von Burma nach Bern. Aus dem Englischen von Johanna von Koppenfels. Mit einem Nachwort von Marijke Denger. Texte zur Friedrich Dürrenmatt Gastprofessur für Weltliteratur. Verbrecher Verlag, 2021, 172 Seiten

Am Fluss leben

Es strömt, fließt – und drumherum quirlt es an den Ufern: So jedenfalls windet sich der Jilong-Fluss in Taipei, so geht es morgens unter und über Brücken, auf den Wassern zum Trommelschlag und den Rufen der Ruderer.

Die Literaturzeitschrift „Am Erker“ rief, schickt uns Texte über den Fluss, kurz, lang, in Prosa oder Poemen. Voilà – und so erschien das „Flussleben“.

Pinselnotizen

Was sind 笔记 = Pinselnotizen?

Ein freie chinesische Literaturgattung, die Gedankensplitter zu einem Ganzen zusammensetzt, so beschreibt es der denkwürdige Sinologe Wolfgang Bauer in Das Antlitz Chinas. Bibliographisch schwer einzuordnen seien diese kurzen Beobachtungen, Anekdoten, philosophischen, wissenschaftlichen oder literarischen Texte – so wie sie auch in „Wolken über Taiwan“ vorkommen.
Das erste Mal im 11. Jahrhundert erwähnt, wurden die Pinselnotizen im Laufe der Zeit in ihrer Diktion immer persönlicher. Gleichwohl strebt die zersplitterte Darstellungsform nicht unbedingt ein ideales Ganzes an, wohl aber entsteht aus ihnen eine subjektive Gesamtschau, die nicht minder aufschlussreich ist als ein um Objektivität bemühtes Narrativ. Oder wie der erste nachgewiesene Verfasser, Shen Kuo, über seine Pinselnotizen schreibt: „Lücken und Irrtümer sind unvermeidlich.“

Verzicht

Vom süßsauren Verzicht

„Verzicht“, die letzte Ausgabe des österreichischen Kulturmagazins Wespennest, steht glücklicherweise nicht nur unter dem wohlfeilen Motto „small is beautiful“, sondern spielt das ambivalente Thema variantenreich durch.

„Darf es etwas weniger sein?“, fragt Alexander Rabl und, zugegeben, Verzicht in Zeiten der Völlerei oder ungebremsten unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung hat durchaus eine biologische, gesellschaftspolitische, globale Berechtigung. Nur wenn Verzicht-Wellen sich ablösen und bessere Welten vesprochen werden, wenn richtig und deshalb „gut“ verzichtet wird – weht einen ein Hauch von Skeptizismus an.

Wer verzichtet, will gefälligst belohnt werden

Christian Haller ist schonungslos ehrlich in seiner Selbstanalyse vom selbstauferlegten Verzicht, denn die Entbehrung will belohnt werden mit etwas, was „im Wert höher“ sein muss als das, worauf man verzichtet. Somit werden dem Verzicht hehre und löbliche Ideale unterstellt, weshalb Verzicht und Askese anfällig seien für die Instrumentalisierung durch Religion und Ideologie. Ja, man kommt ins Paradies, wenn man nur zu verzichten versteht, predigen auch moderne Moralapostel – die Trias Askese, Opfer und Gehorsam drängt sich auf. Gleichzeitig verspricht Verzicht neuerdings Distinktionsgewinn, „man trägt ihn vor sich her wie eine Monstranz“, so Alexander Rabl. Statussymbol sei das „Teefasten im Kloster“, der Verzicht stärke das „eigene moralische Stehvermögen“.

Vom Luxus des Verzichts

Andreas Kossert zeichnet auf, worauf der Geflüchtete zu verzichten gezwungen ist, ein Verzicht also, der unfreiwillig ist, ein Verlust, den zu ermessen unsere Vorstellungskraft sprengt. Denn wer versteht schon, wie das über Generationen aufgebaute Netzwerk eines chinesisch-vietnamesischen Clans funktioniert, von dem sich unsereins womöglich eingeengt fühlen würde, was es bedeutet, wenn gesellschaftliche Codes unverständlich und auf einen Schlag wertlos sind, wie es Phuong Duong kommentiert? So sind wohl die Bilder von Nafez Rerhuf zu verstehen, leere Bilder, sonst nichts, denn kein Abbild sollst Du machen – es würde ohnehin ins Leere zielen. Leere und Nicht-Tun, nicht zu verwechseln mit Nichtstun, so Frank Witzel, im Sinne einer Selbstreinigung kann als Widerstand gegen Gewohnheiten gedeutet werden. Es ist sicherlich kein Zufall (so übrigens das aktuelle Thema bei Wespennest), dass so mancher Verzicht um eine leere Mitte kreist, die nie ganz erreicht werden kann. Oder doch? Simone Weil verzichtete auf Nahrung und brachte sich damit um ihr Leben.

Es gibt noch weitere Möglichkeiten des Verzichts, die in diesem bemerkenswerten Heft durchgespielt werden. Und glücklicherweise tappt kein Text in die Falle des wohlfeilen Verzichts in Zeiten, da der neue Minimalismus als Geschäftsidee seltsame Blüten treibt, der Verzicht in sein Gegenteil pervertiert und „für das Weglassen eine schöne Summe“ kassiert wird. Verzicht ist Luxus, den man sich leisten können muss. Wer hungert, weil er arm ist, leidet unter Entbehrung und wird den unfreiwilligen Verzicht auf Essen nur wenig schmackhaft finden.

Verzicht. Wespennest Nummer 181, November 2021

Frieden

Hat er eine Chance?

Walter Pobaschnig, genauer Beobachter der gegenwärtigen Literaturszene, bat mich, für seinen Blog literatur outdoors ein Akrostichon zu schreiben. Der Titel „Give Peace a Chance“ war die steile Vorlage, zu der mir viele Zeichen einfielen, die wie Gräten im Hals stecken bleiben.
Wie überhaupt dieser Krieg.
Und das Gezetere darum in deutschen Feuilletons.
Erst recht in den sogenannten sozialen Medien, wo neuerdings Pazifist auf Faschist gereimt wird.

Nachzulesen sind meine Zeilen zu den Erschossenen und Chrysanthemen auf oben erwähntem Literaturblog Literatur outdoors.

Fern von uns?

Adelheid Duvanel lesen

Mirjam lebt im Erziehungsheim „Zuversicht“. Hubert Vollundganz ist der kleine Mann mit dem schwarzen Hut, der dort um die Ecke biegt. Eine stille Frau trägt immer einen Sack aus rotem Stoff über ihrer Schulter. Jakob nennt die Suppe, die er täglich kocht, „Eigenbrötlersuppe“. Und über allem fällt der Himmel in Fetzen herunter.

Mit solchen Sätzen beginnen die Texte von Adelheid Duvanel, die im Band Fern von hier gesammelt erschienen sind. Sie klingen und verwirren und hallen noch lange nach. Warum ist das so?

Alle, die das Buch gelesen haben, die gemeinsam herausfinden möchten, was in und hinter diesen Texten steckt, sind herzlich eingeladen zu diesem Leseabend – eine unkomplizierte literarische Gesprächsrunde für Leserinnen und Leser, die gern über Literatur und ihre vielfältigen möglichen Deutungen sprechen.

Es ist zu empfehlen, im Vorfeld „Gnadenfrist“ im Buch Adelheid Duvanel: Fern von hier zu lesen, erschienen im Limmatverlag.

Ort und Zeit: Atelier für Kunst und Philosophie, 11. November 2024, 19.30 Uhr