Autor: Alice

„Seinem Affen Zucker geben“

Interview mit Stefanie Jacobs über den Roman Bestiarium von K-Ming Chang Eine Familiengeschichte über drei Frauengenerationen hinweg ist dieser Debütroman der US-taiwanischen Autorin K-Ming Chang: Es geht um Tigergeist und Tigerschwanz, viele Löcher, die offenen Fragen gleich gestopft werden müssen, vergrabenes Gold und verbuddelte Briefe. Ein wortwuchtiger Roman, dessen Lektüre mich – zugegeben – ratlos […]

Wozu?

„Man kann ja eh nichts machen.“ Wer so fragt, hat gleich verloren. Denn ist es nicht gerade der Pessimismus, der uns in eine passive Haltung zwängt, die uns nur reagieren lässt, die einen impft mit diesem fatalen Satz? Antworten auf diese und andere Fragen diskutiere ich auf dem Blog „Aus dem Alltag“ von Manfred Lipp […]

Buntblau und zerbrechlich

Kinderbücher aus Taiwan – gebe ich diesen Suchbegriff ein, taucht wenig auf, aber jüngst wieder mal eines: Das blaue Kleid von Chang Yu-jan, das im Sommer 2021 erschienen ist. Eine buntfröhliche Geschichte über Xiao Yu, die offenbar an einer Allergie leidet und deshalb nicht ebenso bunte Kleider tragen kann wie andere Kinder. Nur ein Elfe […]

Verschiebungen

Lektürenotiz zu Bae Suah Weiße Nacht In Kreisen sei dieser Roman angelegt, zirkulär funktioniere er, lese ich in Rezensionen, bin gespannt und merke, es sind nicht Kreise, sondern Halbkreise, die auseinandergeschnitten und leicht verschoben wieder aneinandergesetzt werden. Das gilt für Szenen aus dem Hörtheater in Koreas Hauptstadt Seoul, das bald geschlossen wird; für die Gespräche […]

Schrei doch!

Wenn ein Text eine Reise antritt, bin ich nervös, bin ich ich unsicher, weil ich nicht weiß, was wird. Nun wurde aus einem Text über eine junge Frau einer, der aus mehr als 1000 ausgewählt wurde und unter die letzten 40 Texte kam – auf die Longlist aber nur. Immerhin. Etwas muss also an der […]

Scham – oh weh?

Ein Scham-O-Mat als Erinnerungsarchiv Die Idee und Installation ist bestrickend: In einer Kabine sitzen sich zwei gegenüber, corona-bedingt getrennt durch eine Scheibe, und lesen sich Scham-Geschichten vor. Aber keine fiktiven, sondern Texte, die im Laufe von Monaten in verschiedenen Kulturkreisen (Russland, Pakistan, Schweiz) gesammelt wurden. Weil mich diese Geschichten unentwegt beschäftigten, traf ich mich mit […]

Adelheid Duvanels Sprengsätze

Duvanels Lust an widerständigem Schreiben zeigt sich in den 251 Geschichen, die in der Anthologie „Fern von hier“ versammelt sind; ihre Lust auch an leiser Provokation, an Verdichtung des schier Unausdenkbarem auf kleinstmöglichem Raum, die Lust auch, alles, was zwischen Licht und Schatten in solch einer Existenz möglich ist, aufzuspüren. Und die Figuren erst! Sie […]

Mit scharfem Blick

Es war das Bellen der Hunde, das mich auf den taiwanischen Lyriker Cheng Chiung-ming aufmerksam machte. Entdeckt hatte ich ihn im Vorspann der Anthologie Kriegsrecht, die wie keine andere ein halbes Jahrhundert Literaturgeschichte Taiwans umfasst. Diese Hunde lassen sich nichts gefallen, und das will viel heißen in einem Land, das de facto 40 Jahre unter […]

Ein Tag entleert sich

Als ob es das geben könnte: ein Sonntag in einer Großstadt wie Paris, und gleichzeitig das Gefühl einer alles ertränkenden Leere, allerorten anzutreffen, in Gesichtern, Straßenecken, Museen. Das war schon immer so mit mir und Paris; warum, weiß ich nicht, einmal mehr hat sie mich überfallen an einem Sonntag, und uralte wesenseigene Empfindungen überschwemmten mich […]

Maiser = einer, der für andere auf den Feldern schwitzt

Lektürenotiz Fabiano Alborghetti Maiser Vom Leben einer Auswandererfamilie, einer italienischen, die genauso gut die Geschichte einer anderen hätte sein können, eine Geschichte, die klingt, weil Fabiano Alborghetti sie in ein Langpoem gegossen hat. Sie erzählt von Ankunft, Sehnsucht und diesem ewigen Gefühl des Ausgeschlossenseins, erzählt davon in einem Singsang, einem langsamen, und trifft damit diesen […]