„Welcher Tag ist heute? Der 2., glaube ich … Der 2. Juli.“ „Heute ist der 10. Juli. Donnerstag der 10. Juli. Nicht mit den Tagen durcheinanderkommen. Die Zeit ist meine einzige Gewissheit. Ich weiß nicht, wo ich bin. Ich weiß nicht, warum ich hier bin. Ich habe keine Ahnung, was da draußen vor sich geht. […]
Alle Artikel der Kategorie ‘Rezensionen’
Endlich ist das Glück
Im Mitteldeutschen Verlag ist wieder ein vietnamesischer Band in wunderbarer Ausstattung und mit eigenwilligen Erzählungen erschienen. Auf den ersten Blick irritieren die Dorf-Geschichten der vietnamesischen Autorin Nguyen Ngoc Tu, denn warum irrt ein vietnamesischer Bauer auf der Suche nach seiner Tochter zwölf Jahre durchs Land, meint er tatsächlich, er findet sie, indem er sich einer […]
Schnitz …
… ein Gebäck aus einer Vielzahl Blätterteigschichten, mit Vanillecreme gefüllt und oben drauf mit rosa Puderzucker bestreut. Rosarot ist in dieser funkelnden Kapitalismuskritik nichts, mit Puderzucker besprenkelt erst recht nicht. Es ist kalt in dieser dunklen Welt. Zugeschneit die Straßen, zugefroren die Flüsse und Seen. Nur in der Nacht blinken die Hochtürme der Fabrikanlagen, die […]
Skurrile Überraschungen
Anthologien wird man mit Rezensionen selten gerecht, wie auch? Soll man die einzelnen Geschichten nacherzählen? Gemeinsamkeiten herauskitzeln? Die Storys in „Ministerium für öffentliche Erregung“ von Amanda Lee Koe sträuben sich gegen jegliche Zuordnung. Skurril, widerborstig, gegen den Strich jeglicher Vorhersehbarkeit sind sie allesamt gebürstet, und jede für sich lässt ungläubiges Staunen zurück. Wegen der Gewalt […]
Jung und …
Tee mit Karamell- oder Vanillegeschmack, Sessel mit braunen Cordbezügen, Clearasil Gesichtswasser … Solche Marker durchziehen den neuesten Roman von Kirstin Breitenfellner. Bringen Dinge an die Oberfläche, die man vergessen hat. Die Handlung ist in wenigen Worten erzählt: Jugend in einer Kleinstadt, erste Zungenküsse, Flaschendrehen in Kellern, Verrat von Jugendfreundschaften. Die politischen Geschehnisse in dieser Zeit […]
Staunen und Reisen
Wenn einer eine Reise tut, könnte er was erzählen … wenn er es denn könnte. Oft genug lege ich Reiseberichte gelangweilt weg, weil sie nichts Neues zu berichten wissen oder eben Altbekanntes nicht gut erzählen. Nicht so bei John Dos Passos, und ich frage mich, warum bei ihm die Stereotypen, die über den Orient im […]
Wenn Altes aktuell wird …
… oder so ähnlich könnte der Titel meiner Wiederentdeckung von Niklaus Meienbergs Reportagen lauten. Zwar sind Band 1 und Band 2 bereits 2000 im Limmat-Verlag erschienen, zwar liegt der Bosnien-Krieg (1993-1995) schon eine Weile zurück. Aber wenn man diesen offenen Brief an den Chefredakteur der Zeitschrift „Oslobodjenje“ und seine Redaktion liest, ist man verdutzt. So […]
Lustvoll argumentieren wider die Kriegstreiberei
Umberto Eco stellte einst in vier Streitschriften ganz grundsätzliche Fragen nach Haltung, Zivilcourage und der Unsinnigkeit, einen sinnvollen Krieg führen zu wollen. Und auf manche seiner Fragen weiß er Antworten, die auch heute noch einiges erhellen können. Wie beispielsweise jene nach sogenannten humanitären Interventionen. Sosehr man die Rechte, den Wunsch nach Selbstbestimmung und die […]
Ellbogenwut
Hazal wird achtzehn und will es deshalb so richtig knallen lassen. Vorgeglüht und aufgestylt zieht sie mit zwei Freundinnen durch die Berliner Nacht. Doch als ein Türsteher die drei Mädchen nicht in den angesagtesten Club der Stadt lässt, kriecht Wut in ihnen hoch, die sich aufstaut … staut … staut – bis sie sich an […]
Gegen die Empörung …
… durch kurze lärmige Texte. Lärmend ist dieses Endlos-Haiku von Franz Dodel wahrlich nicht, das sich auf 602 Seiten dahinschreibt und noch lange nicht zu Ende geschrieben ist, ein „Geflecht das freundlich bleibt“, sich ins Ungefähre träumt, nur um Zeilen, Seiten später sich im Gespinst des Alltags zu verfangen. Hart ist der Aufprall, doch man […]

