LiteraTour an den Rändern Chinas entlang

Vortrag & Lesung mit Alice Grünfelder.

Die unglaubliche Größe Chinas, die urbanen Räume in Shanghai und die international aufsehenerregende Architektur in Beijing sind durchaus beeindruckend, die Vielfalt des Landes und die Gleichzeitigkeit verschiedenster Lebenswelten sind indes faszinierend. Gerade in der Literatur spiegeln sich die Diskrepanzen zwischen den Kulturen, zwischen Zentrum und Peripherie, zwischen chinesischer Herrschaft und ethnischem Selbstbewusstsein eindrücklich wider.
Auf dieser Literatour an den geografischen Rändern Chinas entlang erzähle ich von den Schamanen aus der Mandschurei, von Wölfen der Inneren Mongolei, von Überlieferungen aus Xinjiang, einem Kloster in Tibet, von den Frauen in Yunnan und einer Kindheitserinnerung aus Hongkong.

Ort: Tibet Songtsen Haus
Zeit: 28.1, 19.30 Uhr

Künstler aus Birma in Berlin

BEYOND INSIGHTS – Zeitgenössische Kunst aus Birma/Myanmar

Tun Win Aung | Wah Nu | Win Thanda | Phyoe Kyi | Min Thein Sung | Wai Mar Nyunt

Ausstellung Beyond InsightsBEYOND INSIGHTS zeigt aktuelle Positionen sechs Künstler und Künstlerinnen aus Birma/Myanmar, AbsolventInnen
der University of Culture Yangon, die Themen wie Alltag, Tod, Tradition und Moderne durch die Medien Malerei, Foto, Video
und Objekt reflektieren. Diese erste Ausstellung zeitgenössischer Kunst aus Burma/Myanmar in Deutschland wurde durch
den Kunstverein Bad Aibling ermöglicht und gibt Einblicke in ein sich veränderndes Land.

Eröffnung: Freitag, 12. November 2010, 19 – 21 Uhr
Ort: Gallery CON.form Architects, Brunnenstrasse 3, 10119 Berlin
Ausstellungsdauer: 13.11.-10.12.2010

Mehr Informationen hier:www.asia-unlimited.net

Wenn Sie Hintergrundinformationen über Birma suchen – werfen Sie doch einmal einen Blick in den Kulturkompass Reise nach Birma , u.a. herausgegeben von Alice Grünfelder.

Meinungsfreiheit in Südostasien

Dieses Interview mit der thailändischen Verlegerin Trasvin Jittidecharak führte Alice Grünfelder im Frühjahr 2009; seit der Übernahme des Militärs steht zu befürchten, dass die Meinungsfreiheit im Lande nicht mehr selbstverständlich ist. Thailänder lesen ca. zwei Bücher pro Jahr, doch die steigenden Umsatzzahlen (knapp 10 Prozent seit 2003) verweisen auf einen erstaunlich florierenden Wirtschaftszweig, so der thailändische Verlegerverband. Trasvin Jittidecharak, Silkworm Books, ist nicht nur eine engagierte Verlegerin, sondern organisiert auch Workshops in Laos, Kambodscha und Vietnam.

Warum haben Sie den Verlag Silkworm Books ausgerechnet in Chiang Mai, im Norden Thailands, angesiedelt und nicht in Bangkok, wo sich doch alles auf die Hauptstadt konzentriert?

Meine Eltern waren Buchhändler in Chiang Mai und führten die Buchhandlung, die ihnen selbst gehörte, 53 Jahre lang. Erst letzten November verkaufte meine Schwester das Geschäft. Ich selbst habe 1989 Silkworm Books zwar ins Handelsregister eintragen lassen, doch richtig aktiv wurde ich erst zwei Jahre später. Ich lebe sehr gern in Chiang Mai, denn ich schätze die kreative Atmosphäre hier. Aber es stimmt, letzten Endes spielt sich alles in Bangkok ab. Will man Bücher verkaufen, muss man mit einer effizienten Vertriebsstrategie in Bangkok ansetzen.

Seit wann gibt es eigentlich Verlage in Thailand?

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Verlage gegründet, damals aber waren das lediglich Anhängsel von Druckereien. Nur langsam entwickelte sich das Verlagswesen: Zwischen 1950 und 1970 förderte der Staat hauptsächlich die Publikation von Schulbüchern, während sich der private Sektor auf Unterhaltungsliteratur stürzte. Mit dem kurzen demokratischen Frühling 1970 erwachte auch der Hunger nach mehr Lesefutter. Viele ausländische Werke wurden in den darauffolgenden Jahren übersetzt, ohne dass man sich um das Copyright gekümmert hätte. Erst seit 1990 haben sich der Buchhandel und das Verlagswesen – wie überhaupt die Medien – zu einem profitablen Wirtschaftszweig entwickelt. Thailand hatte in den Neunziger zweistellige Wachstumszahlen, und eine sogenannte Mittelklasse konnte sich etablieren. Diese Entwicklung ermöglichte es den Verlagen, sich aus dem Schatten der Druckereien zu lösen, und auch die Buchhändler wurden aktiver.

Wie wird denn in Thailand ein Buch zum Bestseller?

Mehr als 60 Prozent aller Bücher – und damit unterscheide ich nicht zwischen Belletristik und Sachbuch – sind Werke, die übersetzt wurden, und mehr als 80 Prozent wiederum sind Übersetzungen aus dem Englischen. Ein amerikanischer Bestseller hat also gute Chancen, auch in Thailand zu einem Bestseller zu werden. Für die meisten Bücher, die in Thai geschrieben werden, muss man schon die PR-Maschine anwerfen, wenn man Erfolg haben will. In den letzten zehn Jahren haben beispielsweise bekannte Persönlichkeiten aus dem Showbusiness Bücher über sich selbst geschrieben und auch selbst veröffentlicht. Da machte solch eine Celebrity Werbung für Kabelfernsehen und verkaufte gleich mehr als 100 000 Exemplare ihres Buches, das nichts anderes enthielt als Kolumnen, die zuvor in einer Wochenzeitschrift schon erschienen waren. Viele thailändische Romane werden zuerst als Fortsetzungsroman in einer Zeitschrift abgedruckt und nur, wenn sie erfolgreich sind und bei den Lesern gut ankommen, kommen sie als Buch heraus.]

Die Titel in Ihrem Verlagsprogramm scheinen recht ambitioniert und anspruchsvoll, manche sogar ein wenig gefährlich, wie beispielsweise „Blood Brothers: Crime, Business and Politics in Asia“ des Südostasienexperten Bertil Lintner. Und auch Nick Wilgus legt in seinen Krimis den Finger auf die wunden Punkte der thailändischen Gesellschaft. Wie schwer ist es, solche „schwierigen“ Bücher zu verkaufen?

Die Mehrheit der Leser in Südostasien ist zwar nicht so anspruchsvoll wie die Leser im Westen, dennoch sind unsere Bücher durchaus gefragt. Und ja, die meisten Titel dürfen wir offiziell gar nicht in den Nachbarländern verkaufen. Da spielt es schon eine große Rolle, dass unser Verlag seinen Sitz eben in Thailand hat. Auch in geografischer Hinsicht ist dies von Vorteil, denn Thailand liegt sozusagen in der Mitte von Südostasien. Zudem funktioniert die Post einigermaßen gut – wenngleich ich zugeben muss, dass viele Päckchen noch immer spurlos verschwinden. Und wir genießen hier mehr Meinungsfreiheit als beispielsweise in Vietnam und Kambodscha.
Es ist tatsächlich nicht ganz einfach, englischsprachige Bücher zu verlegen. Schließlich stehe ich damit in Konkurrenz zur ganzen Welt, aber in Thailand selbst habe ich damit eine Nische gefunden. Unsere Leser lassen sich in zwei Kategorien aufteilen: In Akademiker, deren Zahl in den letzten Jahren mehr oder weniger gleich geblieben ist, und in die wirklich interessierten Reisenden. Englisch ist zudem die Lingua Franca für Wissenschaftler in Südostasien, und je besser die Ausbildungssituation ist, desto mehr Leser werden generiert.
Ich würde übertreiben, wenn ich behauptete, dass wir finanziell gut dastehen würden. In der derzeitigen Wirtschaftskrise sind wir schon froh, wenn uns das Wasser nur bis zum Hals steht. Um zu überleben, müssen wir den Markt genau analysieren und einen realistischen Endverkaufspreis bestimmen, denn n Preiserhöhungen für Benzin und Lebensmittel haben direkten Einfluss auf den Markt. Als beispielsweise 1997 die ganze Region in eine wirtschaftliche Krise schlitterte, verloren zwar viele Koreaner ihren Job, doch die Kinder- und Jugendliteratur boomte. Die koreanischen Eltern setzten ihre ganze Hoffnung in die nächste Generation und investierten jetzt erst recht in die Ausbildung ihrer Kinder. Ich habe daraus einen ganz persönlichen Schluss gezogen: Wenn die Konkurrenz zunimmt und das Geschäft härter wird, müssen die Leute besser informiert sein und eben gerade darum unsere Bücher lesen.

Was hat es mit der Mekong Press unter dem Dach von Silkworm Books auf sich?

Immer mehr Werke aus dem Westen werden übersetzt, aber Bücher von südostasiatischen Autoren werden im Westen kaum gelesen. Das fehlende Bindeglied ist wie so oft die fehlende Information darüber, wie man publiziert, wie man Geld für Bücher auftreibt und wie man sie verkauft. Ich schlug der Rockefeller Stiftung vor, diesen Graben zwischen Ost und West zu schließen, indem man das einheimische Verlagswesen fördert, und sie akzeptierten meinen Vorschlag. Mekong Press firmiert als NGO. Und wir unterstützen jedes Jahr die Ausbildung eines angehenden Verlegers hier bei Silkworm, letztes Jahr luden wir gleich zwei Laoten ein. Wir bieten auch Workshops übers Bücherverlegen an und geben praktische Tipps weiter. In Vientiane organisierten wir ein Seminar über Korrektorat und Lektorat und in Hanoi einen Workshop zum internationalen Urheberrecht. Zudem planen wir derzeit einen Workshop zum Thema Lektorat in Phnom Phen, weil mich neulich ein Verleger fragte, was das überhaupt sei und ob es mit dem Drucken eines Buchs nicht getan wäre.

Geraten Sie dabei in Konflikt mit den jeweiligen Regierungen?

In Vietnam sind alle Verlage Staatsbetriebe. Sie können alles publizieren, solange sie regierungskonform sind. In der Praxis gibt es zwar viele Unternehmer, die in eine Publikation investieren, doch sie dürfen dafür keinen Kredit aufnehmen und müssen sich zudem an die Vorgaben der Zensurbehörde halten. Solch eine strenge Informationspolitik ist ein Fallstrick. Wir versuchen, Verlagsmitarbeitern Know-how zu vermitteln, und laufen damit gleichzeitig Gefahr, gegen die Gesetze zu verstoßen.
In Kambodscha hingegen ist die Gesellschaft offener, es gibt auch mehr Möglichkeiten, doch die Wirtschaft funktioniert dort nicht wirklich. Der Staatshaushalt befindet sich in völliger Abhängigkeit von ausländischen Geberländern. Die einfache Bevölkerung kann sich kein Buch leisten. So weit ich weiß, unterstützt die französische Regierung großzügig Kinder- und Jugendbuchverlage, aber das reicht nicht. Die Druckereien sind auf NGOs als Kunden angewiesen (ähnlich wie in Laos). Ich glaube, es wird noch etwa fünf Jahre dauern, bis sich diese Situation verbessern wird.
Mir bleibt jedenfalls die Hoffnung, dass wir für das Printwesen Standards setzen können. Und wir glauben, dass die Qualität und die Quantität der Leser einen nachhaltigen Einfluss auf die Meinungsfreiheit haben wird, an der es hier in der Region noch mangelt.

Silkworm Books
www.silkwormbooks.com
www.mekongpress.com

© Das Interview erschien im Frühjahr 2009 in LiteraturNachrichten, hrsg. Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien, Lateinamerika.

Literatur aus Thailand:
Rattawut Lapcharoensap: Sightseeing (Kiepenheuer)
Reise nach Thailand: Geschichten fürs Handgepäck (Unionsverlag)
Nick Wilgus: Der Pfad des Mörders (Ullstein)
Christopher G. Moore: div. Krimis (Unionsverlag)

2. Tibetisches Filmfestival

Filming for Tibet kündigt das zweite Tibet Film Festival an

Zürich, 29./30. Oktober 2010

„Es gibt mittlerweile viele Tibet-Filmfestivals. Unseres ist insofern einzigartig, als wir uns auf tibetische Produktionen konzentrieren und ein Programm anbieten, das auch für ein internationals Publikum attraktiv ist. Als tibetischer Filmemacher bin ich besonders am aktuellen tibetischen Filmschaffen interessiert und freue mich, Gleichgesinnte kennen zu lernen,” meint Festivalleiter Lobsang Sotrug.

Das Festival zeigt Spielfilme, Dokumentarfilme, aber auch Experimentalfilme, die in den letzten zwei Jahren von Tibetern produziert wurden, u.a. den Film “Open Road”.

1. Tibetischer Kurzfilmwettbewerb

Im Mittelpunkt des diesjährigen Festivals steht der Kurzfilm. Aus diesem Grund rief die Festivalleitung etablierte tibetische Filmemacher, aber vor allem auch Newcomer auf, am Wettbewerb und zur Einsendung eines 5-Minuten-Films zum Thema Identität teilzunehmen.

Tatsächlich sind verschiedene interessante Beiträge eingegangen, findet Alice Grünfelder, die in der Jury saß. Mit gänzlich unterschiedlichen stilistischen Mitteln und künstlerischen Konzepten gingen angehende Filmemacher das Thema an.  Den ersten Preis gewann der junge Tibeter Lobsang Reichlin mit einem ungewöhnlichen Animationsfilm. „Diese filmische Graphic Novel mit unbewegten Schwarz-Weiß-Bildern überrascht. Muten die Bilder in den ersten Einstellungen ein wenig naiv an, wird die Geschichte durch die dynamische Filmmusik und die harten Übergänge dramaturgisch zugespitzt“, so Alice Grünfelder.

Die Preise wurden am 30.10. 2010 von Lhamo Tso überreicht, der Frau des verhafteten Filmregisseurs Dhondup Wangchen.

„Filming for Tibet“ hat das Tibet Film Festival in Kooperation mit dem Verein Tibeter Jugend in Europa ins Leben gerufen. Das Festival ist dem tibetischen Filmemacher Dhondup Wangchen gewidmet, der am 28. Dezember 2009 von einem chinesischen Gericht zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Tibet Filmfestival: filmingfortibet.com

Oleg Jurjew erhält den Hilde-Domin-Preis

Gestern wurde dem russisch-jüdischen Schriftsteller Oleg Jurjew der Hilde-Domin-Preis in Heidelberg verliehen.  In seiner Rede setzte er sich vor allem mit den Begriffen Exil und Ausgrenzung auseinander. Was bedeutet Exilliteratur für einen, der in Deutschland lebt und schreibt? Seine Rede wurde in der Neuen Zürcher Zeitung abgedruckt.

In der Jury saßen Alice Grünfelder, Katrin Hillgruber, Barbara Honigmann, Andreas Kelletat und Hans Thill.

5./6.11.2010: Nury Vittachi und seine Feng-Shui-Show

Lesung, Gespräch und Musik mit Nury Vittachi

Moderation: Alice Grünfelder

Nury Vittachi wird beim Krimifestival „Mord am Hellweg“ aus seinem Roman Im Auftrag seiner Majestät vorlesen, aber mehr als das! Denn wie stellt man es an, nicht zwischen dem East-meets-West-Clash zermalmt zu werden? Auf diese und andere Fragen wird uns Nury Vittachi launige Antworten geben.

Bilder & Text von Nury Vittachi über seine Begegnungen und Eindrücke vom Festival hier auf seinem Blog.

Eindrücke von der Buchmesse 2009:
Buchmesse 2009

Notizen über Tibet – von Tsering Öser

Tsering Öser – Essays.

Die in den letzten Jahren geschriebenen Essays von Öser lassen sich in zwei Kategorien einteilen. Beklagt die Autorin beispielsweise in „Die Tränen des Nyima Tsering“ und „Niedergang des Potala“ ganz offen den Niedergang der tibetischen Kultur, die Tragödie und Unterdrückung des tibetischen Volkes, so analysiert sie in anderen Essays sehr genau gesellschaftliche Phänomene im tibetischen Alltag.

In „Erinnerungen an eine mörderische Fahrt“ beispielsweise beschreibt sie, wie sie zusammen mit ihren Cousins nach Terdrom fährt, ein Nonnenkloster östlich von Lhasa gelegen, das für seine heiße Quellen bekannt ist. Unterwegs erschießen die jungen Tibeter einfach nur aus Lust am Töten jedes Tier, das ihnen vor die Flinte kommt. Und als sie in Terdrom ankommen, schmieden sie Pläne, wie sie aus dem kleinen Kloster mit seinen Quellen ein profitables Touristenresort machen könnten.

Ösers Kritik an den Zuständen in Tibet macht vor den eigenen Landsleuten nicht Halt, wenn sie beispielsweise auch die Selbstzufriedenheit mancher Bevölkerungsschichten in Lhasa kritisiert oder die ungerechte Behandlung der Nonnen innerhalb des tibetischen Klerus. Dann wieder überrascht sie durch feine Skizzen aus dem Alltag in Lhasa, wenn sie über den Feiertag Saga dawa, den Geburtstag des Dalai Lama, schreibt. An diesem Tag sind die Tibeter besonders großzügig, sie brechen schon früh am Morgen zu ihren Umwandlungen rund um die Heiligtümer in Lhasa auf; die Wege sind von tibetischen Bettlern gesäumt, die hier ihre Almosen empfangen. In den letzten Jahren aber kommen aus dem ganzen Land, also auch aus China, Bettler aus diesem Grund nach Lhasa und mischen sich unter die Tibeter. So mancher Chinese sieht auch gar nicht sonderlich bedürftig aus, meint die Autorin. Die Tibeter aber, großherzig wie sie sind, unterscheiden nicht zwischen Tibeter und Chinesen und geben allen.

Tsering Ösers Essays fordern dazu auf, unsere bisherigen Vorstellungen von Tibet kritisch zu hinterfragen, und sie eröffnen uns eine gänzlich neue Perspektive auf Tibet.

Tsering Öser, geb. 1966 in Lhasa, studierte Chinesische Sprache und Literatur in Chengdu. Später ging sie an die Lu-Xun-Akademie in Beijing und arbeitete als Redakteurin für die Zeitschrift Tibetan Literature. Öser schreibt auf Chinesisch und hat bereits etliche Bücher über Tibet verfasst. Im September 2003 geriet sie aufgrund ihrer Essaysammlung Notizen über Tibet in die Schusslinie der chinesischen Behörden; ihre Arbeit im tibetischen Literaturverband als Redakteurin musste sie aufgeben. Die Autorin war dem zunehmenden Druck vor Ort in Lhasa nicht mehr gewachsen und ging nach Peking, wo sie heute mit ihrem Mann, dem bekannten Dissidenten Wang Lixiong lebt. Seit dem Ausbruch der Unruhen in Lhasa am 14. März steht sie immer wieder unter Hausarrest. Im Februar 2008 erhielt sie die „Freedom of Speech Medal“, im Oktober 2010 den „Journalism Courage Award“.

Die Bilder konsumieren uns! Im Gespräch mit der Künstlerin Irene Sauter

Auszüge aus einem Gespräch, das Alice Grünfelder mit der Künstlerin Irene Sauter Ende November 2009 in Zürich führte:

Alice Grünfelder: Du kommst zwar von der Minimal Art, fühlst dich, wie du sagst, damit auch immer noch sehr verbunden, aber in den letzten Jahren infiltrieren zunehmend kunstexterne Phänomene deine Arbeiten. Bei „Enjoy Your Meal – An Everyday Sculpture“ hast du beispielsweise einen Abend lang Gäste während eines exzellenten Dinners diversen Filmsequenzen ausgesetzt. Diese Bilder – überwiegend Kriegsbilder aus europäischen und US-amerikanischen TV-Nachrichten, hart geschnitten und mit kurzen Sequenzen aus Werbung und Unterhaltung versetzt – werden in einem Raum ohne Ton auf vier Meter hohe Wände projiziert. Ganz gleich, wohin die Gäste ihren Blick gerichtet haben, wenn sie von ihrem exquisiten Mahl aufsahen …mehr …