
© Mine Dal, Datça, Februar 2013
Die Literaturzeitschrift entwürfe veröffentlicht zweimal jährlich Texte zu bestimmten Themen, in der jüngsten Ausgabe zum Sujet „Fluchten“.
Zu meinem Text „Vogel, flieg!“ inspirierte mich eine Fotografie von Mine Dal: Eine nackte Puppe hängt in einem vertrockneten Geäst vor einer verlassenen Hütte. Wochenlang wucherten unzählige Antworten : Wie kam diese Puppe bloß dorthin? Bis sich eine Antwort in der Erinnerung an das Schicksal einer fünfköpfigen Familie aus der Ukraine verfing, die in einer verschneiten Jagdhütte gefunden wurde.
In derselben Ausgabe der entwürfe entdeckte ich gleich zwei mir bekannte Namen – und das ist der eigentlich Grund für diesen kleinen Beitrag. Maike Frie, die ich über das Netzwerk texttreff kenne, mit einem Text über die Flucht eines Schwimmers von Ost nach West. Und Eva Roth, der ich in einem Workshop zu Kinder- und Jugendliteratur begegnet bin und die vor kurzem ihren ersten Roman Blanko veröffentlichte, mit lyrischen Reflexionen zu Flüchtlingschicksalen. Zufall? Oder zeigt sich darin, dass ähnliche Interessen sich auch literarisch treffen?
Auch fixpoetry ist diese Ausgabe aufgefallen: „Am Schluss will ich den „entwürfen“ noch ein deutliches Kompliment machen: Die Anzahl von nicht lesenswerten Beiträgen ist in dieser Ausgabe sehr gering geblieben, und mit den meisten Texten kann man sich, vor allem inhaltlich, gut auseinandersetzen. Texte mit experimentellen Formen sind zwar rar, dafür findet sich an vielen Stellen ein gelungenes Maß an gesellschaftlicher Beobachtung und kritischem Bewusstsein, was beides wiederum nicht auf Kosten des erzählerischen Potentials der Texte geht oder zu sehr bemüht wird.“

Neu sind die Ein- und Ansichten zwar nicht, die der Frankokanadier Guy Delisle von seinem dreimonatigen Aufenthalt in Shenzhen zurückbringt, aber reizvoll ist seine Auseinandersetzung mit dem Kulturschock allemal. In seinem Comic – eine Mischung aus Reisebericht und Tagebuch – gelingt ihm eine künstlerisch überzeugende Reflexion über das Reisen und die Exotik im Allgemeinen und China im Speziellen. Gleich zu Beginn stellt der Ich-Erzähler fest, dass einem von einer Reise oftmals nur die angenehmen Erinnerungen bleiben, die Exotik, weshalb er noch während seines Aufenthalts seine Eindrücke festhält und in Bildern verdichtet.
Über grafische Reportage, Reportage-Comic oder “Visual Storytelling”, wie Joe Sacco dieses spannende Genre benennt, unterhielten sich beim 




Alles scheint klar zu sein. Ein durchgeknallter Mann hat seine Frau getötet, ein Tal geflutet und damit Hunderten von Menschen den Tod gebracht. Doch warum muss der Sohn dieses „Staudammmonsters“ nomadisierend durchs Land ziehen? Kaum hat er sich irgendwo niedergelassen, wird seine Herkunft wenige Wochen später aufgedeckt. Jemand scheint ihm ein neues Leben zu missgönnen, nur wer? Diese Frage ist eine von vielen in Sieben Jahre Nacht der Autorin Jeong Yu-jeong. Tatsächlich sind es sieben ziemlich düstere Jahre, die der Sohn in Obhut eines Onkels – der sich zwar rührend um ihn kümmert, dabei aber sein eigenes Leben verkümmern lässt – von einem Ort zum anderen zieht.
Es gibt nur wenige Übersetzer aus dem Chinesischen – wen wundert das, wenn nur wenige Verlage sich trauen, chinesische Autoren in ihr Programm aufzunehmen, und nur wenige Leser sich für Literatur aus China zu interessieren scheinen? DVA hat sich getraut und mit dem Roman Das verhängsnisvolle Talent des Herrn Rong von Mai Jia eine gute Wahl getroffen. Warum, erklärt die Übersetzerin Karin Betz, die neben Werken von Autoren wie Mo Yan und Liao Yiwu auch diesen Spionagethriller ins Deutsche übertragen hat, im Gespräch mit der Sinologin und Kulturvermittlerin Alice Grünfelder.
… organisierte das Museum Strauhof im Zusammenhang mit der Ausstellung
