Vietnam fürs Handgepäck
Geschichten und Berichte – Ein Kulturkompass
Herausgegeben von Alice Grünfelder
Das Gefühl der Unterdrückung ist die nachhaltigste Erfahrung, die das vietnamesische Volk immer wieder in seiner Geschichte machen musste: Kriege gegen China, Frankreich, USA. Aber wie kein anderes Volk verstanden die Vietnamesen sich anzupassen und kulturelle Werte zu übernehmen – zunächst die chinesischen, später die westlichen, insbesondere die französischen. Gleichwohl ziehen Klänge wie der Name Saigon, erotische Lust und kulinarische Gelüste den Schleier der Vergangenheit zur Seite und geben den Blick frei auf ein Land und ein Volk, das unberirrbar nach vorn schaut und in der Gegenwart lebt – wie ein alter Baum, dem keine Katastrophe etwas anhaben kann, so der buddhistiche Mönchsgelehrte Thich Naht Hanh, und der immer wieder neues Leben hervorbringt.
Autoren in diesem Band: Marguerite Duras, Oriana Fallaci, Martina Katz, Kim Thuy, Heinz Kotte und Rüdiger Siebert, Nguyen Huy Thiep, Pham Thi Hoai, Carolin Philipps, Thich Nhat Hanh, Tran Thuy Mai, Gerhard Waldherr.
Und warum gerade ein Buch über Vietnam? Mehr darüber hier:
Taschenbuch UT 574
Unionsverlag, 2012
www.unionsverlag.com
Rezension von Ina Baumbach.








Hong Kong in Berlin
An den Lederriemen geknotete Seele
Alice Grünfelder:
Als ich diese Sukajan das erste Mal sah, rettete mich nur die Kleidergröße davor zuzuschlagen, denn die Jacke war eindeutig zwei Nummern zu groß. Immer wieder schlich ich in den Laden, probierte die Jacke an, doch selbst die verkaufsbegierige Verkäuferin schüttelte missbilligend den Kopf. Wars beim dritten Mal, als ich mich endlich traute zu fragen, ob es denn nirgendwo sonst in der Stadt diese Jacke ein bisschen kleiner gäbe?


