Unerklärliche Stimmung, gedrückt, gedämpft, und dann doch wieder ein Lachen von irgendwoher. Als ich nach meiner Rückkehr den zufällig erworbenen Gedichtband Meteor von Andra Schwarz las und dieses poetische Fragment entdeckte, schien mir, ich (be-)greife endlich etwas, wenngleich einen kleinen Zipfel nur. Dieses Land, zerrieben seit Jahrhunderten zwischen raffgierigen Großmächten – und nach jeder Invasion eine andere Säuberung. Ein Land, das nur mit Mühe zu einer gewissen Ruhe kommt. Einer Ruhe, die auch durch die hohe Abwanderung bedingt ist.
Kurz vor der baltischen küste truppenübungsplatz militär
uwaga hinter stacheldrahtzäunen wandernde lichtkegel
durchdrehende reifen als wäre wüste unser träges versacken
auf der schräge freischwebende räder fünfzig prozent klares
in der salzigen brise sich meilenweit riechen das zischeln
zwischen den lippen zigarettenstummel auf der kippe stiefel
schmatzen im schlamm das dreimal gerissene seil endlich
bewegung fester händedruck versteift sich im blitzlicht
und wieder die deutschen anfingen september bei nachtaus: Andra Schwarz: Meteor, Sukultur, 2023, S.6
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