Ich aß Dein Kraut Gedichte von Maria Marggraf

Wie ich Maria Marggrafs Gedicht lese

Nachwort zu dem Gedichtband Ich aß Dein Kraut

Das Ich isst das Kraut, das ein Du ihm anbietet, es wird verdaut und verwandelt. Pflanzen sprengen den Topf, Muscheln klappern. Ein Selbst in Stollenstiefeln betritt einen Raum, entzieht sich und brüht als Antwort eine Tasse Tee. Wer sind diese Wesen, die Ansi, die Pfeifenfrau, das Du, das Kind? Man folgt ihnen, wird womöglich verfolgt von einer Hundemeute. Gewissheit gibt es keine, sie ist wie „messer in holz“.

Die Pflanzen indes, sie sind es, die Blätter und Blüten aus sich heraus treiben wie ein Gedicht, die Sporenfäden wuchern im Unbewussten der Lektüre. Und wenn das Auge erkennt, die Wörter weiter denkt, gesellt sich dazu ein unverwechselbarer Klang. Woher kommt dieser Ton? Was beschwört er? Ein Wuchern im Auge des Sturms? Dort ist es ganz still. Noch.

Mit diesem Ton im Ohr streife ich durch lyrische Landschaften, schiebe die wuchernden Pflanzen beiseite, gehe über Brachen, Schwemmland, versehrten Flüssen entlang.

Wie ein wirkmächtiges Kollektiv hingegen aussehen könnte, erkundet Maria Marggraf, indem sie Beziehungen herstellt zwischen anorganischen, organischen und metaphysischen Lebensformen, um sich – im Haraway’schen Sinne – „artenübergreifend die hände zu reichen / vielleicht / weniger brückenpfeiler / sondern waten im schlamm.“

Wo ist die Grenze zwischen Welt und Gedicht? Eine Naht, eine Narbe? Auftrennen oder nach innen träumen? Sie brechen mancherorts auf, regen an, nach innen zu sinnen, darin liegt ihr Trost.

Oder? „auf dass ich berichte / bevor ich verlerne / zu sehen“.

Nachzulesen ist mein Nachwort in Maria Marggrafs Gedichtband, erschienen im Verlag pudelundpinscher, mitherausgegeben von Svenja Herrmann.

Maria Marggraf: Ich aß Dein Kraut. 2026, Verlag pudelundpinscher, 60 Seiten, 20 Franken