Streunen durch Straßen

Athen: Rollladen runterziehen – lossprayen

Auf Balkonen wuchern Pflanzen, plötzlich zetern Vögel, unsichtbar, wie zerstrittene Nachbarn, streune durch Straßen, bis ich Kreuzungen wiedererkenne, die Richtung ändere, im Kreis gehe, die Kreise mal größer, mal kleiner, wieder ist alles fremd, eine bekannte Zeichnung an einer Brandmauer, ein Schaufenster erleuchtet, dahinter ein Mann über Bücher gebeugt

Sieben Hügel steht auf einem Ladenschild, ich habe sie nicht gezählt, stattdessen auf die Füße achten müssen, die Löcher im Gehsteig, die abschüssigen Kanten, gefährlicher Ausrutscher, anderntags blauer Fleck am Ellbogen

Und doch. Dem morbiden Charme verfallen, deshalb das Streunen wieder von vorn. Beginnen. Die Fenster offen in den oberen Stockwerken, versperrt im Erdgeschoss, manchmal verrammelt mit Brettern

An manchen Ecken hängen Menschen an ihren Kaltgetränken, stehen schwarze Polizisten hinter Schildern, bewachen: was?

Plakate rufen zu Boykotten auf, Touristen sollen sich fortscheren, Investoren das Weite suchen. Nicht Aufwertung, sondern Status Quo. Und der Ruch nach Widerstand in der Luft, etwa anderthalb Meter über dem Boden, Steine herausgeschlagen. Explosive Ruhe. Abwarten

Bis irgendein Handy schrillt, die Wange rot, die Worte unverständlich, ich beobachte die Gesichter, sie schauen, gehen weiter, keine Regung

Das Abgleiten aufhalten, einen Tag nur, mehrere Tage lang, danach eine blaue Leere, das ist es, was mir in den Sinn kommt