Maiser = einer, der für andere auf den Feldern schwitzt

Lektürenotiz Fabiano Alborghetti „Maiser“

Vom Leben einer Auswandererfamilie, einer italienischen, die genauso gut die Geschichte einer anderen hätte sein können, eine Geschichte, die klingt, weil Fabiano Alborghetti sie in ein Langpoem gegossen hat. Sie erzählt von Ankunft, Sehnsucht und diesem ewigen Gefühl des Ausgeschlossenseins, erzählt davon in einem Singsang, einem langsamen, und trifft damit diesen intensiven Ton von einem Leben zwischen allem.

Zwischen Kühen und Schweinen, den harten Steinen auf den Feldern, ist auch kein Denken möglich an einen Alltag, denn Normalität gibt es nicht: die Initianten vom schwarzen Bach würden Menschen wie Bruno und seine Familie am liebsten fortschaffen. Und es ist auch kein Trost, das diese Initiative zu 54 Prozent abgelehnt wurde, denn die andere Hälfte beäugt diese Fremdarbeiter und ihre im Schrank versteckten Kinder noch immer mit Argwohn. So geht es bis heute, so ist es auch anderswo. „Es werden tausend Neue sein / die die Mehrheit anstreben / nach Beweggründen suchen / die Epochen studieren, um die Erinnerung zu befeuern / um mit dem Finger auf die da zu zeigen / und auf die Ungerechtigkeit / der Räume, übervölkert von Menschen, die nicht hier geboren sind.“

Hin und her gerissen zwischen dem Fehl am Platz sein, in dieser Schwebe zu leben, nicht zu wissen, wer man ist, nur zerrissen sein, antwortet der Bruder: „Niemand ist jemals nur ein einziges Leben.“

Die Eltern aber verschieben ihre Wünsche ein Leben lang auf morgen, zählen die Jahre – und können dann doch nicht zurück, weil sich das Dort verwandelt hat, weil sie auch dort nicht mehr zu Hause sind, und das Dazwischen keine Heimat bietet. Im Alter, so jedenfalls ist es bei Bruno, der als junger Mann mit seiner Familie in den Norden zog, ist das Leben eingesperrt in seinem Kopf. Und die anderen fragen sich: Wie viele Kreuze hat er in seinem Leben getragen, waren es nicht genug?

Fabiano Alborghetti: Maiser. Aus dem Italienischen von Maja Pflug, Klaudia Ruschkowski; Limmatverlag, 2020, 224 Seiten.